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zwischen Ungarn und Serbien , kraß ausgedrückt, den Kampfgegen das serbische Schwein, zurück. „Es hatte keines Vis-marck bedurft, diesen Krieg zu verhindern", war Ballins oftwiederholter Äusspruch über die Tragweite der unmittelbarenKriegsursachen.
Keineswegs verkannte er die großen Gegensätze, die hinterdiesen unmittelbaren Ursachen standen, die Koalition Rußland-Frankreich gegen Deutschland und den englisch-deutschen Gegen-satz. Dieser letztere war für ihn das Zünglein an der Wage,konnte er ausgeglichen werden, war nach seiner Ansicht einWeltkrieg nicht mehr zu befürchten. Auf die Möglichkeit unddie Gefahr eines solchen hatte ihn kein anderer als FürstBismarck hingewiesen. Es war 1891 bei dem Besuche desFürsten zur Besichtigung des nach ihm benannten Schnell-dampfers der Packetfahrt. »Ich werde den Weltkrieg nichtmehr erleben", hatte der Fürst gesagt, »aber Sie werden ihnnoch sehen, und er wird vorn Grient seinen Ausgang nehmen."
Mit wachsender Sorge hatte Ballin den Gegensatzzwischen England und Deutschland infolge des deutschen Flottenbaues entstehen und sich verschärfen sehen. Ein tatkräf-tiger Gehilfe der Regierung in der Propaganda für den Auf-bau der Flotte um die Jahrhundertwende, war er ein Gegnerdes später sich entspinnenden Wettbauens mit England undversuchte, was in seinen Kräften stand, unheilvollen Folgenvorzubeugen.
Leine Erfahrung im langjährigen Verkehr mit England undseine Kenntnis der englischen Psyche sagten ihm, daß das eng-lische Argument gegen den deutschen Flottenbau —eine Nation,