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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
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211
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oder Verzug in der Zinszahlung gestellt, werde sich der Japaneram Ende lieber für den letzteren entscheiden.

ImConstitutional Club" in London hörte Ballin denVortrag eines Parlamentsmitgliedes, das unter allgemeinerZustimmung ausführte: Die Lage Englands sei nicht so günstig,wie es nach der Ententepolitik scheine. Zur Zeit der Königinhabe man viel bessere Bilanz gehabt; was jetzt auf der Kreditseitestehe, seien zum Teil Forderungen an schlechte Schuldner, wieSpanier, Portugiesen, Japaner, deren politisches Wohlver-halten England zu hoch bezahle. Man dürfe sich durch Bilanz-verschleierung nicht über den Wert der Ententen täuschen lassen.

Reichskanzler Fürst v. Bülow und Staatssekretär v. Schönwaren, wie Geheimrat Hammann Ballin alsbald brieflich mit-teilte, für die Information sehr dankbar und fanden namentlichdie Antwort auf die Andeutung über die Abrüstungsfrageebenso verdienstlich wie richtig". Inzwischen habe auch derKaiser den Kanzler brieflich über den wichtigen Inhalt desVortrages von Ballin unterrichtet.

An den Besuch Ballins knüpfte sich noch ein kurzer Brief-wechsel, der hier wiedergegeben sei. Vorweg sei bemerkt, daßdie in dem Brief Ballins erwähnte Sandschack-BahnimFrühjahr 1908 die öffentliche Meinung in Europa lebhaft erregthatte. Äm Februar hatte der österreichische Minister des Aus-wärtigen v. Aehrenthal in einem Ausschuß der Delegationenden Plan einer das bosnische Bahnsystem mit Mitrowitza imLandschack Vovibazar verbindenden Eisenbahn angekündigt.Das führte zu einem heftigen Protest in der russischen Presse,die das als einen politischen Vorstoß Österreichs auf dem Balkan

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