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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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innerhalb der Grenzen jenes Flottengesetzes könne vielleichtetwas zwischen den beiden Regierungen geschehen. Ein Ab-kommen könnte vielleicht zu einer Verlangsamung der Aus-gaben führen oder dazu, daß das gegenwärtige ProgrammDeutschlands keine Steigerung erfahren würde. Alles dieseskönne Gegenstand der Erörterung zwischen beiden Regierungensein, und es wäre in jeder Beziehung vorteilhaft, wenn ein Ab-kommen erzielt werden könnte. Auf diese Rede antwortete die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung", daß, wenn zur Beseitigungdes Mißtrauens in der öffentlichen Meinung Englands Ver-einbarungen, wie die von Grey angedeuteten, etwas beitragenkönnten, man deutscherseits gern bereit sein werde, dazu dieHand zu bieten. Man darf aus dieser Auslassung wohl schließen,daß Herr v. Bethmann seinerseits solchem Abkommen geneigtwar. Warum ist es dann aber nicht dazu gekommen?

Um zu verstehen, weshalb das englische Kabinett auf dieAusräumung der deutsch -englischen Zlottcnbaudissercnz undauf die Beruhigung der öffentlichen Meinung so großen Wertlegte, muß man sich daran erinnern, daß das liberale Kabinettdurch seinen Kampf gegen das Eberhaus in einen heftigenGegensatz zur konservativen Partei geraten war, die ihrerseitsdem Kabinett im Wahlkampf auf das schärfste die Vernach-lässigung der Flotte vorwarf und zur Bekräftigung dieses Ar-guments immer wieder auf Ue deutsche Gefahr hinwies. Auchwar inzwischen, am 7. März 1910, der alte König gestorben,und von dem neuen hieß es, daß er schon bei seiner Thron-besteigung insofern kein unbeschriebenes Blatt war, als er bishersehr gegen Deuschland und in Händen einer kleinen Gruppe von