Ballins, die Grenzen seiner Macht zu erkennen und nicht übersie hinaus zu streben. Das Urteil, das ich mir auf Grundmeiner Beobachtung der Ballin'schen Lebensarbeit im letztenJahrzehnt seines Lebens aus nächster Nähe gebildet habe, wurdemir, soweit die Politik in Frage kommt, von dem kompetentestenBeurteiler, den es für das vorausgegangene Jahrzehnt inDeutschland gibt, dem Fürsten Bülow, durchaus bestätigt.Meine Frage, ob man Ballin etwa vorwerfen könne, daß erseine Freundschaft zum Kaiser im geschäftlichen Interesse oderüberhaupt zu Nebenzwecken ausgenutzt habe, verneinte derFürst in kategorischer Weise. Niemals habe Ballin darangedacht. Er habe seine Stellung zum Kaiser mit großem Taktbehandelt, sie niemals für irgendwelche Nebenzwecke benutztsei übrigens in seinen Ansichten auch stets konform mit derobersten politischen Leitung gegangen. Der Fürst sei nur einmalin einer politischen Frage in einer Meinungsverschiedenheitmit Ballin gewesen, und zwar in der Frage des Zolltarifs.Diesen habe Ballin für verhängnisvoll gehalten, wie ja auchdamals vielfach die Meinung geherrscht habe, daß es nichtmöglich sein werde, mit einem solchen Zolltarif Handelsverträgezu schließen.
In der kritischsten Zeit des Kaisertums, im Kriege, war derEinfluß Ballins auf den Kaiser gering; er hat nur wenigeMale noch Gelegenheit gehabt, ihn zu sehen, ihn vertraulich,wie früher, zu sprechen, niemals. Denn die Umgebung desKaisers war ja ständig bemüht, den Monarchen nicht aus derKontrolle zu lassen. Auch das letzte Mal, als Ballin den Kaisergesehen hat, im September 1918, als er auf Wunsch der