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fachen, vom Auslande anders gedeuteten Äußerungen in derÖffentlichkeit waren nur Explosionen eines starken Tempera-ments, das von dem bekannten Gefühl der Selbstherrlichein falsche Richtungen geleitet wurde und manchmal zur Unzeitexplodierte. Aber jene Unselbständigkeit, die ihn zum Gpferseiner Umgebung machte, gab dem Ausland den Eindruck derWankelmütigkeit und Lprunzhaftigkeit, die Deutschland , wieman zu spät erkannt hat, so sehr diskreditierte bei dem letzten-endes maßgebenden Faktor der Weltpolitik, England . Einesolche Persönlichkeit konnte nur im richtigen Gleise bleiben,wenn sie dauernd unter dem richtigen Einfluß stand. Woheraber sollte der kommen? Aus der einseitig zusammengesetztenUmgebung konnte er nicht kommen, auch nicht von den wech seln-den Kanzlern, von denen keiner die innerpolitischen Fragendauernd so zu lösen vermochte, daß er auf dem festen Bodeneiner zuverlässigen Parlamentsmehrheit stand. Und in derBeurteilung des Krieges und seiner Ursachen war auch dieKaiserin derart einseitig, daß sie bei einer der wenigen Gelegen-heiten, bei denen während des Krieges Ballin dem Kaiser nochnahegekommen ist, ihm mit aufgehobenen, geballten Händenerklärte: „Einen Frieden mit England ? Niemals!" Manglaubte sich in der kaiserlichen Familie von England und demenglischen Hofe verraten. Warum, wird man heute wohl nochweniger verstehen, als Ballin es bereits damals verstehen konnte.Aber in solchem Falle war Widerspruch nutzlos und richtetenur Schaden an. Indes hat der Kaiser auch damals Ballin'sfreimütige Äußerung keineswegs übel, sondern, wie aus derkaiserlichen Umgebung nachträglich bekannt geworden ist, Ballin