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an diesem Abend nach seinem Fortgangs der Kaiserin gegenübernoch in Schutz genommen. Er könne Ballins Ansicht von dessenStandpunkt aus durchaus verstehen, aber für ihn liege die Sacheeben so, daß er von seinen englischen Verwandten verratenworden sei und darum den Krieg mit England bis zum bitterenEnde durchfechten müsse.
Als Ballin mir gesprächsweise—es war im Sommer 1918—den Kaiser in der Weise charakterisierte, wie ich es im Vor-stehenden wiederzugeben versucht habe, fügte er hinzu: „Aberwas nützt das? Schließlich ist er doch der Generaldirektor undverantwortlich dafür, wenn es schief geht, genau wie der Direktoreiner Aktiengesellschaft."
Dieser Vergleich des Deutschen Reiches und seines Leitersmit einer Aktiengesellschaft und ihrer Direktion ist im Laufe derZahre in unserem Kreise häufig angestellt worden, und pflegteschon lange vor dem Kriege ständig mit der Feststellung zu enden,zu der bald die Politik der Regierung, bald die der Parteienim Reichstag Anlaß gab, daß, wenn die Packetfahrt so geleitetwürde wie das Deutsche Reich, sie längst pleite sein würde.Immer wieder mußte man darüber staunen, wie falsch an höchsterStelle die europäische Situation beurteilt wurde, wenn man z.B.während des Krieges folgende Geschichte hörte, die Ballin ausder Umgebung des Kaisers mitgeteilt wurde. Während desFrühstücks im kaiserlichen Hauptquatier kam eines Tages dieRede auf England , und der Kaiser äußerte dabei: „Wenn mireiner vorher gesagt hätte, daß England gegen uns Krieg führenwürde!", worauf aus dem Kreise der Anwesenden lese derName „MetLernich" genannt wurde. Ballin fügte hinzu, man