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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
302
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verhüten. England sei aber Frankreich gegenüber verpflichtet,bei einem unprovozierten Angriff ihm beizustehen, und eswerde z. B. gewiß nicht zugeben, daß wir etwa nach dem altenKriegsplan durch Belgien marschierten. Wohl sei man darumin London schließlich durch die österreichische Note ernstlich be-sorgt geworden, aber wie sehr dem Kabinett an der Erhaltungdes Friedens liege, gehe doch z. B. daraus hervor, daß Churchill ihn, Ballin, beim Abschied nahezu mit Tränen in den Augenbeschworen habe: clear ffienä, äon't let us go at

v/ar!" Diese Mitteilung von Ballin wird bestätigt durch das,was der Botschafter, Fürst Lichnowsky, und andere Mitgliederder Botschaft über ihre Beobachtungen aus den kritischenTagen berichtet haben.

Auch andere, politisch geschulte, wenn auch nicht mehr aktivtätige Köpfe in Europa , glaubten in dieser Jett nicht, daß einedringende Gefahr vorliege. Ich möchte hier einen Berichtüber eine sehr bemerkenswerte Unterhaltung mit dem GrafenWitte einschalten, die am 24. Zuli in Bad Salzschlirf statt-gefunden hat. Witte, den ja leider ein zu früher Tod dahin-gerafft hat, war gewiß der beste Kenner der kompliziertenrussischen Verhältnisse und einer der fähigsten Staatsmännerüberhaupt; damals vielleicht der einzige wirklich großenFormats in Europa . Auch darum sind seine Ansichten imersten Stadium des verhängnisvollen Konfliktes von Interesse.Ich gebe den Bericht über die Unterhaltung wieder, wie eruns damals zuging und von uns nach Berlin weitergegebenwurde. Die Richtigkeit der Wiedergabe der Witte'schenÄußerungen steht außer Frage. Der Bericht lautet: