Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
305
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fettigen unbegabten diplomatischen Vertretung eine Trübung erfahrenhaben, es ihn jetzt besonders freuen würde, ihn wiederzusehen usw.Gder die Anregung könnte vom Großherzog von Hessen über die Zarinfseine Schwester) gehen. Aber wie gesagt, der Kaiser wird selbst dasRichtige treffen. Ich kann nur wiederholen, daß die Begegnung eine«norme Bedeulung haben würde. Die Presse und die Gesellschaft inRußland würden ihre Stellungnahme ändem. Die Hetzereien inFrankreich würden dadurch mächtig gedämpft werden/

Ich sagte zu Witte:Ich werde den Inhalt unserer UnterredungHerrn Ballin mitteilen. Da es möglich ist, daß er bereit sein könnte,diese Anregung zu unterstützen, so möchte ich noch eine Frage beant-wortet wissen: Sind Sie damit einverstanden, daß, falls Herr Ballindie Sache an entsprechender Stelle zur Sprache bringt, er Sie als Ur-heber dieses Planes nennt/

Witte erwiderte: »Gewiß! Er kann sagen, daß ich diese Begegnungfür ungeheuer wertvoll für beide Länder in diesem Augenblickhalte."

Ich bemerkte: »Da Sie Deutschland in fünf Tagen verlassen, fälltmir eine Frage ein, die vielleicht überflüssig ist: Würden Sie, falls derKaiser Sie inoffizie ll empfangen wollte, nach Berlin kommen?"

Witte antwortete: »Selbstverständlich. Zu jeder Zeit."

Auf einem gemeinsamen Spaziergange am Nachmittag kam Witteu. a. auf verschiedene politische Fragen zu sprechen. Ich will hier nureinige Äußerungen vermerken:

»Praktisch glaube ich an keinen Krieg, obwohl es abstrakt so vieleKnoten gibt, die nur ein Krieg durchhauen könnte. Aber es lebt jetztkeine Persönlichkeit, die, wie Wilhelm I., mit dem Fuß aufstampfenund sagen würde: »Aber nun gebe ich nicht mehr nach!" Die Stellein Ems, wo dies geschehen ist, hat jetzt ein Denkmal. 2n einigenZähren wird Rußland wirklich stark sein, denn die Rüstungen, die einst-weilen auf dem Papier stehen, werden eine reale Form annehmen.

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