Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
317
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nähme drohte. Namentlich die Behandlung dieser letzterenMaßnahme wie die Maßnahme selber zeugte von einer er-schütternden Versiändnislosigkeit gegenüber dem großen Pro-blem, dem man auf diese Weise beikommen wollte, und daserklärt die Bitterkeit des Tones in einer Eingabe Ballinsan den Ltaa sminister des Innern aus dem Jahre 1917, inder er diese Maßnahmen kritisierte. Lie gibt das beste Bildvon den Beschwerden der Reederei. Es heißt darin:

.»AIs Euere Exzellenz sich entschlossen haben, uns den

Verkauf von Schiffen in Amerika zu genehmigen, war es für diesenVerkauf schon zu spät, weil die amerikanische Regierung die Schiffeschon beschlagnahmt hatte. Wir hatten schon vorher gebeten, uns denVerkauf eines Teiles der in Amerika liegenden Tonnage zu gestatten,als wir einsahen, daß der Krieg unvermeidlich geworden war und eineaußerordentlich günstige Anerbietung seitens amerikanischer Interessentenuns vorlag.

Dieser Antrag ist von Euerer Exzellenz als Vertreter des HerrnReichskanzlers abgelehnt worden. Ich weiß sehr wohl, daß nicht derHerr Reichskanzler oder Euere Exzellenz als sein Vertreter diese Ab-lehnung beschlossen haben, sondern daß sie zurückzuführen war auf eineEnischeidung des Admiralstabes. Das Reichsamt des Innern istaber diejenige Behörde, welcher der Schutz und die Förderung derdeutschen Schiffahrt anvertraut ist. Mit dem Admiralsiab direkt habenwir, wie ich Euerer Exzellenz nicht zu sagen brauche, nichts zu tun,haben also auch nicht einmal das Recht, uns wegen solcher Fragendirekt an den Admiralstab zu wenden.

Unsere Gesellschaft, welche die größte Schiffahrtsunternehmung derWelt war und bei Ausbruch des Krieges über Schiffe von etwat 500000 Tons verfügte, hat diese bis auf einen geringen Teil verloren,viel weniger durch Kaperungen und durch Versenkungen im Diensteder Kaiserlichen Marine, als durch die Handlungen unserer