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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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Veranlassungen her, bei denen Kuskop als Vertreter des »Fremden-blatt" anwesend war. Ich entsinne mich eines schönen Lommerabends,an dem wir eine Gesellschaft von etwa achtzig Personen aufunserem Zalondampfer »Blankeneie" von dem Passagierwartehallenabfuhren, um uns an Bord eines in Brunshausen liegenden, zurProbefahrt bereiten neuen Schiffes zu begeben. Kuskop mit derNachtmütze angetan und dem ungeheuren Krimstecher bewaffnethatte sich an Deck ausgestellt. Er war unschwer zu erkennen, und ein anBord eines englischen Dampfers arbeitender Zchauermann begrüßteihn alsbald mit dem Zuruf: »Fremdenblatt". Diese Losung wurdevom ganzen Hafen aufgenommen, von allen Schiffen, von den Kais,von den Kähnen, aus den Zährdampfern, von Schuten und Jollenund Fahrzeugen aller Art jubelte man in den verschiedensten TonartenKuskop zu: »Fremdenblatt". Es war eine ebenso spontane wie volks-tümliche Gvation. Der würdige Kuskop wurde immer größer undbreiter, er hatte seine Mütze abgenommen, und die langen Tränenliefen ihm über das gutmütige, liebe Gesicht.

Er hatte diese Popularität wohl verdient. Denn durch Jahrzehrstehindurch hat Kuskop die Hamburger Schiffe, in welchem Hafen sieimmer eintreffen mochten, getreulich mit dem »Zremdenblatt" versorgt,und hat so zwischen den Zchiffsangestellten und der Heimat ein prak-tisches und wertvolles Band geknüpft. Äch selbst habe von dieserliebevollen Fürsorge profitiert. Als ich vor Jahren eine Reise um dieWelt machte, fand ich, überall meiner harrend, das »Fremdenblatt",und wochenlang von der Welt so weit getrennt, daß selbst KuskopsFindigkeit mich nicht auftreiben konnte, fand ich bei meiner Ankunftin Vancouver zu meinem Erstaunen, daß eine der Schlafkabinendes Salonwagens , der mir für die Reise von der pazifischen zuratlantischen Küste zur Verfügung gestellt war, sorgsam aufgestapeltalle die Nummer des »Zremdenblatt" enthielt, die mich nicht erreichthatten.