Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
401
Einzelbild herunterladen
 

401

die Vorzüge, die ihm die Natur gegeben hatte, rasch hervor.Lein wundervolles, lebendiges Auge, das so freundlich blickenkonnte, sein einschmeichelndes Grgan, sein freundlicher, festerHändedruck ließen fast im Augenblick Gesichtszüge verschwinden,die man gewiß nicht schön nennen konnte. Nur eins war anihm vom schönsten Ebenmaß, sein prachtvoll ausgebildeter,in späteren Jahren nur noch von spärlichem Haarwuchs be-deckter Schädel.

Albert Ballin würde niemals die überragende Stellung, dieer inne gehabt, gewonnen haben, wenn ihn nicht neben demScharfsinn und der Klugheit seines Verstandes die liebens-würdigen Eigenschaften eines guten Menschen geziert hätten.Er besaß im reichen Maße die vornehme Höflichkeit des Herzens.Er, der hart und unerbittlich sein konnte, wenn die seiner Handanvertrauten geschäftlichen Interessen auf dem Spiele standen,war in seiner Familie, in seinem Hause, im Freundeskreisegütig und milde bis zur Weichheit. Leine größte Freude wares, anderen Freude zu machen. Menschen, die er lieb hatte,begegnete er mit einer herzlichen Rücksichtnahme, die etwas tiefRührendes hatte. Er schenkte gern mit zartestem Takt. Erverlangte keinen Dank, ihm war es genug, die Freude desBeschenkten zu sehen. Und wenn er Undank und Gehässigkeiterfuhr, so schwieg er und vergaß.

Persönlich freigebig, manchmal bis zur Grenze der Ver-schwendung, hat er nie einen Pfennig des Gesellschaftsver-mögens verausgabt, ohne die Gewißheit zu haben, daß ernutzbringend ausgegeben war. Alle Möglichkeiten erschöpfte

H»ld«rmann, Battin 2K