Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
402
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er, wo es galt, einen Verdienst für sein Unternehmen zu er-zielen oder eine Ausgabe zu beschneiden. Geld war ihm Mittelzum Zweck, wie die Verdienste seiner Gesellschaft in ersterLinie dazu bestimmt waren, sie groß und größer zu machen.Wer die Einkommen anderer Leiter großer Gesellschaften kennt,würde sich wundern darüber, daß Ballin seine Stellung fürsich nicht fruchtbringender gemacht hat, und würde ihm mitdiesem Gedanken sehr unrecht tun. Auch sein Einkommen ver-wendete er zum größten Teil im Interesse seiner Gesellschaftzu einer glänzenden, durch seine Liebenswürdigkeit, seine Unter-haltungsgabe im höchsten Maße verfeinerten Repräsentation,die ihm in späteren Jahren namentlich zur Zeit derKielerWoche " wohl zu einer Last wurde, aber seiner Gesellschaftreiche Früchte trug.

Man mußte Ballin in seinem schönen Heim zu Hamburg ,in seinem Landsitz, seinem geliebten Hamfelde , auf den weitenSpaziergänger: in der benachbartenHahnheide", des abendsam Kamin gesehen und gehört haben, um zu verstehen, wieseine Liebenswürdigkeit zu bezaubern wußte. Leine Begabungder Rede war groß. In belebter Unterhaltung, in treffen-dem Witz, in humorvoller Plauderei unerschöpflich, beherrschteer ebenso das Wort in einer geschäftlichen Versammlung wiein einem politischen Trinkspruch. Und nicht minder gewandtführte er die Feder; zahlreiche Ieitungsaufsätze, Denkschriften,Reiseschilderungen, und vor allem seine umfangreiche Korre-spondenz geben davon Zeugnis. Er war wohl einer der eif-rigsten Briefschreiber und darin gewissenhaft bis zur Peinlich-keit. Auch eine poetische Ader sprudelte in früheren Zeiten