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KAPITEL IV.
Früher in den Zeiten der Hochfluth kam es wohl vor, dassdie Fabrikanten den Hauswebern Stühle liehen, oder gegenallmähliche Abzahlung hergaben. Doch war dieser Modusbei den Webern nicht beliebt, weil sich der Fabrikant natür-lich das Arbeiten für die Concurrenten auf seinem Webstuhlverbat. Jetzt trifft man manchmal Webstühle an, die voneinem Dorfgenossen, der die Weberei aufgegeben hat oderder nach Frankreich gewandert ist, oder dessen Yater ver-storben ist, während er selbst die Weberei nicht gelernt hat,gegen einen jährlichen Zins von 5 — 6 fr. geliehen sind.
Der "Verkehr zwischen den Fabrikanten und den Haus-arbeitern ist entweder ein direkter oder wird durch Faktore,Depotinhaber vermittelt. Depots finden sich in Steige,Meisengott, Weiler, Bassenberg, St. Moritz , Laach, Gereuthund in einigen dem Weilerthal nahegelegenen Ortschaften,wie insbesondere Kestenholz. Dieselben vermitteln den Ver-kehr des Fabrikanten sowohl mit den Angehörigen der Ge-meinde, in welcher sich das Depot befindet, als auch mitEinwohnern der umliegenden Ortschaften. Haben die Fabri-kanten in den oben genannten Ortschaften ein Atelier, soist es regelmässig der Contremaitre derselben, welcher zu-gleich das Depot für die ausserhalb beschäftigten Weber hat.Ist das nicht der Fall, so wählen sich die Fabrikanten ent-weder den Contremaitre eines andern Fabrikanten, oderwenn irgend möglich gutsituirte Leute, die, wenn auch nichtimmer, so doch häufig selbst die Weberei als Nebenbeschäf-tigung betreiben, zu diesem schwierigen Amte aus. Dennein solches ist es. Der Depotinhaber haftet mit seinemeigenen Vermögen für allen von den Webern verursachtenSchaden. Wenn nun diese Verpflichtung sich auch in derTheorie vielleicht gefährlicher ausnimmt, als sie in der Praxisgehandhabt wird, so lastet doch eine schwere Verantwortungauf ihm, und immerhin kommt es zuweilen vor, dass er fürdie Ersatz- und Strafgelder, welche er an den Fabrikantenaus eigener Tasche abgeführt hat, thatsächlich keinen Regressgegen den Weber nehmen kann. Der Entgelt, welchen derFaktor für seine Mühewaltung erhält, richtet sich nach demUmfange, nicht aber nach der Qualität der Gewebe, die er