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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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DIE WEBEREI IM WEILERTHAL.

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an die Arbeiter übermittelt hat. Gewöhnlich hat er vomabgelieferten Tüchel oder vom Meter Stoff 0,010,02 fr.

Die Rohstoffe und die Fabrikate lassen die Fabrikantenin den durch den Gang der Geschäfte sich als erforder-lich zeigenden Zeitpunkten, sei es im eigenen oder in ge-mietlieten Fuhrwagen hin und her transportiren. Die Fuhr-leute bezahlt der Fabrikant; nur die Aktiengesellschaft inHüttenheim verlangt von ihren Depotinhabern die Bezahlungderselben.

Ist nun eine Sendung mit Rohstoffen angekommen, soist es Sache des Faktors diese nach seinem Gutdünken zuvertheilen. Er hat die Instruktion, hierbei sowohl auf dieTüchtigkeit des Arbeiters, wie auch auf seine BedürftigkeitRücksicht zu nehmen. Das erstere zu befolgen heisst ihnsein eigenes Interesse, denn er ist für die Güte des Gewebesverantwortlich, das zweite befiehlt ihm der im Volk so un-gemein stark entwickelte Gerechtigkeitssinn. Ein Faktor,der die besser situirten Leute bei der Yertheilung bevor-zugen würde, vielleicht um sich von diesen eine Extraver-gütung dafür geben zu lassen, würde in dem Dorf bald einesolche Erbitterung hervorrufen, dass es ihm unmöglich wäre,sein Treiben länger fortzusetzen. In der That sind mir auchniemals derartige Klagen über die Faktoren zu Ohren ge-kommen.

Eine Uebervortheilung der "Weber seitens der Depot-inhaber durch Verkürzung des Lohnes, wie sie bei anderenHausindustrien häufig vorkommt, ist durch die Art und Weisein welcher die Arbeit vermittelt wird, ausgeschlossen.

Die zu einem Gewebe nothwendige Wolle, Kette undEinschussgarn wird einStück oder pars pro totoauch Kette schlechthin genannt. Die Quantität desselbenhängt von der Anzahl Zeichen (marques), die die Kette hatab, von denen jedes ein Gewebe von circa 7 m Länge ab-gibt. Zu jedem Stück fügt der Fabrikant 2 Zettel, Stück-'zettel (billets) genannt, hinzu, einen für den Faktor und einenfür den Weber. Auf diesen steht neben anderen rein tech-nischen und kaufmännischen Bestimmungen, wie z. B. dieDichte des Gewebes, die Art und Weise der Musterher-