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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL IV.

. Mark abgezogen worden. In Meisengott versicherte man mir,dass die Hüttenheimer bei Geweben, die völlig fehlerfreiseien, Abzüge machten, dass also dieses System nur ein ver-stecktes Herabdrücken der Löhne darstelle. Man zeigte mirdie Bücher über die für Hüttenheini gelieferten Stücke. Eswar aus ihnen ganz deutlich ersichtlich, wie die Fabrik mitjedem Monat grössere Abzüge gemacht hatte. Bei der letztenSendung waren von dem Lohne jedes Drittelstücks, der5,20 Mk. betrug, den einzelnen Webern folgende Summenabgezogen worden:

0,25 Mk. 1 mal.

0,50 1

0,80 1

1.00 5

1.50 7

2.00 8

2.50 5

3,00 1

48,55 Mk. in 29 Fällen.

29 Weber hatten für Hüttenheim gearbeitet, und 29Abzüge waren gemacht worden. 150,80 Mark hatte dieFirma versprochen zu zahlen und 102,25, also 2 /s des ver-sprochenen Lohnes hatte sie gezahlt.

Glücklicher Weise ist jetzt die Arbeit für Hüttenheimaus dem Weilerthale verschwunden.

Das innere Yerhältniss dev Arbeiter zu den MarkircherFabrikanten kann man dagegen als ein durchaus gutes be-zeichnen. Ich habe nirgends irgendwelche Gereiztheit derArbeiter gegen ihre Arbeitgeber gefunden. Auf der andernSeite muss man aber sagen, dass diese sich einer moralischenVerantwortlichkeit, welche sie gegen die von ihnen beschäf-tigten Arbeiter hätten, absolut nicht bewusst sind. Währendeinige derselben das Loos ihrer Fabrikarbeiter durch Ein-richtung von allerhand Kassen und gemeinnützigen Institutenin jeder Weise zu heben suchen, lässt sie das Schicksal ihrerHausweber völlig kalt. Das ging soweit, dass, als AusgangsWinters 1884/85 zur Zeit der höchsten Hoth der Frauen-verein und andere mildthätige Vereine die Markircher Fabri-