LANDWIRTHSCHAFT UND VIEHZUCHT.
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Die Anwendung von guten Dungstoffen ist noch einesehr unentwickelte. Künstlicher Dünger oder anderweitigekäufliche Bodenverbesserungsmittel werden gar nicht ange-wandt, und der Viehmist wird bei Weitem nicht in genügenderWeise ausgenutzt. So lässt der Weilerthaler noch immerden grössten Theil der Jauche einfach die Dorfstrasse ent-lang fliesson, anstatt sie in Jauchegruben zu sammeln odersonst wie zurückzuhalten. Der Mist wird viel zu lange inHaufen auf dem Feld liegen gelassen, wodurch er zu sehraustrocknet, zu viel Ammoniak in die Luft abgibt und Geil-stellen bildet. Lobenswerth ist es, dass hin UDd wieder dieHerdasche aufbewahrt wird, um zur Düngung namentlichvon Wiesen verwandt zu werden. In Weiler findet einebessere, wenn auch durchaus nicht vollständige Verwerthungder vorhandenen Dungstoffe statt. So wird namentlich derInhalt der Abtritte auf die Felder geleert und von Gasthaus-besitzern und Fuhrleuten der Pferdedünger verkauft. DieKarre Mist, welche ungefähr einen Kubikmeter fasst, gilt4—5 fr. Auch Kuhmist wird in Weiler, und zwar zu etwashöherem Preise wie Pferdemist verkauft.
Anzuerkennen ist ferner, dass in drei Dörfern, Erlenbach,Neukircli und Gereuth , die Gemeindeverwaltung denStrassenkoth und den Inhalt der Schulabtritte verkauft; letz-teren gewöhnlich in der Weise, dass die Ausräumung derAbtritte an den Meistbietenden, eventuell Mindestforderndcnverpachtet wird. Für Beides zusammen hat Neukirch nachdem mir vorliegenden Budget 17,40 Mk. und Gereuth 10 Mk.,für den Strassenkoth allein Erlenbach 1,50 Mk., für dieKäumung der Schulabtritte 0,50 Mk. erzielt.
Yon einer geordneten Fruchtfolge ist kaum eine Spurvorhanden, zum mindesten nicht bei den Webern, welchefast ausschliesslich Korn und Kartoffeln, und je nach Be-dürfniss in dem einen Jahr mehr von dem einen, im nächstenmehr von dem andern bauen.
Flurzwang herrscht auch thatsächlich nicht. Trotzder Kleinheit der Parzellen bestellen die Leute ihre Aecker,wann es ihnen beliebt. Da weder mit Pflug und Pferdengearbeitet wird, noch ein Wechsel von Acker und Weide