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KAPITEL Y.
auf demselben Land stattfindet, die Wiesen sich auch alleim Thal, die Aecker an den Abhängen befinden, so hat sichauch das Bedürfniss nach einem thatsächlichen Flurzwangniemals geltend gemacht.
Eine ausführlichere Schilderung verdient die den Vo-gesen und dem Schwarzwald eigenthümliche Kultur der imWeilerthal so genannten Krüter') oder Triescher (frz. terresfriches, Patois: stirpon). Es sind dies die höher gelegenenBergabhänge, die eine lange Reihe von Jahren brach liegen,während dieser Zeit Pfriemen (Ginster, genet) tragen, dannumgebrochen und 1 bis 3 Jahre lang angebaut werden. DieBestellung ist in den verschiedenen Gemeinden eine ver-schiedene, und theils durch uralte Gewohnheit, theils durchdie wechselnde Güte des Bodens bedingt.
Die Krütergegenden sind die links am Bach liegendenBergabhänge. Die Hänge der rechten Seite sind für denAnbau nicht geeignet. Die Krüterwirthschaft, die früher ineinzelnen Gemeinden daselbst bestanden hat, ist wegen derErtragslosigkeit derselben aufgegeben worden. Kennzeichender Unfruchtbarkeit solcher Bergabhänge ist ihr Bestanden-sein nicht mit Pfriemen, sondern mit einem haidekrautartigenGewächs, frz. bruyere genannt. Kur in der Gemarkung vonGrube gibt es auf der rechten Thalseite noch wenige undunfruchtbare Krüter, die in Kultur genommen werden.
Die Triescher sind zum grössten Theil im Eigenthumder Gemeinden. Nach Ausweis der Budgets ist der Umfangderselben folgender:
Bassenberg 1,50 ha.
Breitenau 0,00 „
Breitenbach ?
Erlenbach 218,00 „
Diefenbach 0,00 „
Gereuth 0,00 „
B Das Wort Krüter stammt wohl von roden: gerodete Flächen.An Wahrscheinlichkeit gewinnt diese Etymologie durch die Thatsache ,dass das Wort Gereuth (welches wohl ebenfalls von roden abzuleitenist) im Volksmunde zu Krüt wird, und dass auch das stirpon des Patoiszweifelsohne von exstirpare ausroden abzuleiten ist. Triescher ist wohldie oberdeutsche Form des niederdeutschen Dreesch.