LANDWIRTHSCIIAFT UND VIEHZUCHT.
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Nachbar, der ihm die Benutzung der seinigen — wenn auchder Gefahr des Ueberdrehens halber nicht gerade sehr gern— gegen Erlegung von 1 Mk. bis 1,20 Mk. zur Verfügungstellt.
Die Preise für den Wein sind natürlich je nach demJahrgang sehr verschieden ; durchschnittlich stehen die Weineim Weilerthale 10 Mk. pro Ohm tiefer als die der Ebene.
Wie der Süddeutsche überhaupt, so ist auch der Weiler-thaler ungemein erfinderisch in der Wahl von Destillirstoffen.Der Weinbau liefert ihm deren zwei. Erstens die Trabern,das heisst die Reste der Trauben nach ihrer Durch-pressung in der Kelter. Dieselben werden gähren gelassen,und dann mittelst des gewöhnlichen, vorzüglich zum Brennendes Kirschwassers benutzten Brennkessels überdestillirt. Imletzten Jahre gewann man in Erlenbach von einem aus 70bis 90 1 Trabern bestehenden Brande 2 Vs — 3 1 Träbern-schnaps, in schlechten Jahren lieferte dagegen solch einBrand kaum ein Liter. In St. Moritz wurde mir als Ge-winn aus einem Brand von 80 — 85 1 Trabern 3 1 Schnapsangegeben.
Man unterscheidet, je nachdem der Schnaps nur einmaloder noch ein zweites Mal aus 2—3 Bränden zusammenüberdestillirt worden ist, Lütering und doppelt gebranntenSchnaps. Die Benutzung eines fremden Kessels kostet Bil-den Lütering 4 Sou, für den zweiten Brand, der längereZeit in Anspruch nimmt, aber 8 Sou.
Der Träberschnaps wird meist von seinen Produzentenselbst consumirt. Sein Marktpreis beträgt 1,20 bis 1,40 Mk.pro Liter.
Zweitens werden auch die Rückstände, die durch denGährungsprocess des Traubensaftes ausgeschieden werden: dieHefen oder Drusen zur Destillation benutzt, ohne dass mandieselben einem vorhergehenden Gährungsprocess unterwirft.40 bis 60 Ohm Wein sind zur Erzeugung von einer OhmDrusen erforderlich, und diese geben in guten Jahren 2 bis3, in schlechten einen Liter Drusenschnaps. Dieser wird alssehr guter Branntwein und als vortreffliches Mittel gegenMagenbeschwerden gerühmt. Wird er nicht, was fast regel-