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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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LANDWIRTHSCIIAFT USD VIEHZUCHT.

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Ein Export frischer Milch etwa nach Schlettstadt oderMarkirch besteht nicht. Butter wird in ganz geringen Quan-titäten nach Markirch verkauft, worauf wir weiter unten zu-rückkommen , und in gleichfalls nicht grosser Menge nachWeiler auf den Markt gebracht.

Auch in der Käsefabrikation wird nichts nennens-werthes geleistet. Kur etwas Sauermilchkäse wird zumeigenen Gebrauch und höchstens zum Verkauf an den Nach-bar bereitet. Das erste Stadium desselben, in Norddeutsch-land Quark, hierWisset Käs,fromage blanc oderPipeleslcäs 1 genannt, wird dadurch erzielt, dass man vonder geronnenen Milch die Molken abtropfen lässt, indemman erstere entweder in einem Tuch aufhängt, oder in einan allen Seiten durchlöchertes Sieb bringt. Soll daraus nunder sogenannte Bauernkäse (Bürkäs) werden, so wirdder Quark in runde Massen geformt auf ein Gestell in derNähe des Ofens der Wohnstube zum Trocknen hingelegt.Sodann lässt man ihn im Keller ungefähr ein halbes Jahrlang ausreifen, um ihn zu verzehren, wenn er einen braun-gelben Rand bekommen hat. Dies die ganz primitive Artder Käsebereitung im Weilerthal. Das gute Beispiel andererVogesentliäler in der Fabrikation exportfähiger Käse hatalso hier noch keine Nachahmung gefunden.

Die wichtigste Verwerthung des Viehes ist, abgesehenvon seiner Verwendung als Arbeitsthiere, die Fleischpro-duktion.

Die Kälber werden im Alter von 23 Wochen an dieFleischer von Weiler und zuweilen an die des Leberthaiesverkauft, welche meist selbst auf den Dörfern sich ihreWaare aussuchen. Die Kälber haben bei ihrem Verkauf einGewicht von 80, 90 und 100 Pfund, das bis 120 Pfundsteigen, aber nicht unter 60 Pfund sinken kann. Diese An-gaben sind mir übereinstimmend in Neukirch und in denhochgelegenen Fermen von Noirreu gemacht worden. Es istalso falsch, wenn man annimmt, die Viehzucht der Vogesen- thäler erziele durchgehends nur Kälber von 40 bis 60 PfundGewicht.

1 Weil er den jungen Hühnern

Pipele yorgeworfen wird.