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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KAPITEL V.

Die Anzahl der Ziegen im ganzen Thal beläuft sich auf906. Die Yertheilung derselben auf die einzelnen Gemeindenund innerhalb dieser auf die einzelnen Bewohner zeigt unszwei charakteristische Merkmale derselben: Die Ziege ist dasThier des Gebirges und das Thier der Armuth.

Die erste Eigenschaft zeigt sich darin, dass das hintereWeilerthal, das einen weit ausgesprocheneren Gebirgscharakterbesitzt, als das vordere, auch bei weitem ziegenreicher istals dieses. Wir finden hier in Thannweiler 1, in St. Moritz3, in Triembach 12, in St. Petersholz 15, in Diefenbachkeine, in Gereuth 23, in Neukirch 21, in Bassenberg, welcheswie in vielen Stücken so auch in diesem Punkt mit demCharakter des vorderen Thaies harmonirt, 9 und in Weiler23. Auch St. Martin mit nur 18 Ziegen schliesst sichseinen östlichen Nachbardörfern an. Die Zahlen für dennordwestlichen Theil des hinteren Thaies sind im Uebrigenschon viel grösser. So hat Erlenbaeh 95, Breitenbach 80,Meisengott 51 und Steige 67. Yon dem südwestlichen Zipfelhat Breitenau 40 Ziegen, die drei übrigen Gemeinden zeigendurch ihre hohen Zahlen auch hier wieder ihren ausgeprägtenGebirgscharakter. Grube zählt 115, Laach 213, Urbeis 167.

Dass die Ziege vorwiegend von den ärmeren Leutengehalten wird, und dass namentlich diejenigen, welche sonstkein Yieh haben können, sich wenigstens eine Ziege au-schaffen, habe ich durchgehends zu beobachten Gelegenheitgehabt. Diese Erscheinung ist auch durchaus verständlich.Schon als Anlagekapital wird eine ungefähr 8 lOmal kleinereSumme gefordert, wie für die Rindviehzucht. Denn währendeine Kuh durchschnittlich 160200 Mk. kostet, bezahlt manfür eine Ziege durchgehends 20 Mk.

Die Ernährung kostet im Sommer wenigstens so gutwie gar nichts, da die Ziege ihr Futter auf den Gebirgs-weiden, den Krütern und anderen Bergabhängen findet, ohnedass ihre Besitzer hierfür etwas zu zahlen verpflichtet wären.Die Ziege liefert täglich gegen 2 1 Milch und jedes Jahr 2bis 3 Junge.

Diese Gaisen, die im Frühjahr zur Welt kamen, werdendann oft genug im Zimmer aufgezogen, woselbst sie von