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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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KapheL V.

Wohl am verhältnissmässig gleichmässigston ist derBesitz von Schweinen vertheilt. Die Sitte jedes Jahr min-destens ein Schwein aufzuziehen, ist auch bei ärmeren Leutensehr im Schwange. Die Art und Weise, wie dies geschieht,ist allerdings eine jämmerliche. Alles was der Mensch nichtisst, bekommt das Schwein, wurde mir von einem Webereinmal gesagt. Die Schalen der Kartoffeln mit andern Ab-fällen der Küche bilden das gewöhnliche Futter. Höchstenswird noch etwas Kleie hinzugefügt. Für diese bezahlt man,wenn sie von Weizen herrührt, 7 fr. per Centner, für dieBoggenkleie dagegen, in welcher noch mehr Mehl hängengeblieben ist als bei dem sorgfältig gemahlenen Weizen, 8 fr.Besser situirte geben den Schweinen wohl auch ganze Kar-toffeln und Körner, selten aber Milch als Fütterung.

Bei dieser Ernährungsmethode ist es denn kein Wunder,dass das Weilerthal nur ganz magere Schweine kennt, diegewöhnlich nur 90100 höchstens 150 Pfund wiegen. DieseSchweine werden nur selten an die Fleischer in Weiler oderim Leberthal verkauft. Geschieht es, so wird gewöhnlichnur eine Hälfte veräussert, die andere zum eignen Gebrauchzurückbehalten. Auch hier wird der Preis nach den vomFleischer erzielten Einnahmen berechnet. Man erhält vomPfund 2, selten 3 Sou weniger, als der Fleischpreis beträgt.

Die Vcrwerthung in der Haushaltung geschieht nun inder Weise, dass das Schmalz an dem Rücken und den Ge-därmen ausgelassen wird, der Kopf frisch verzehrt, allesUebrige aber, mit Einschluss des kläglich wenigen SpeckesinRothfleisch verwandelt wird. Zu dem Endo legt mandas Fleisch zunächst in eine scharfe Beize, bestehend auseiner Lösung von Kochsalz und Salpeter, mit Pfeffer, Corian-der, Lorbeerblättern und Knoblauch, und lässt es nach achtTagen im Schornstein räuchern.

Würste werden nur zwei Arten für das Haus ver-fertigt. In die grösseren Därme kommt folgende Wurst-masse: etwas Fleisch, Grieben (die Rückstände des Schmalzesbeim Auslassen), Kartoffeln, Zwiebeln, und manchmal nochWeissbrot und Milch. Diese Mischung wird, bevor sie indie Därme gestopft wird, gebraten und dann in diesen ge-