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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
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KAPITEL VII.

Nachts hervorgezogen wird, um dann die kleinsten derKinder zu beherbergen. Drei derselben, im Alter von 12,10 und 8 Jahren schlafen auf einem 150 cm langen und85 cm breiten Strohsack, dem der blanke Boden als Unter-lage dient. Das Stroh desselben ist nach dem Geständnissder Frau schon ein Jahr alt; wer weiss, wie viel Zeit sieweggelogen hat! Jeden Morgen wird er hinausgetragen,damit er wieder etwas Feuchtigkeit verliert, und nebenbeiauch ein wenig von den Flöhen befreit werden kann.

In Charbes sind die Wohnungsverhältnisse ganz be-sonders durch die Lage des Dorfes beeinflusst. Dort näm-lich ist, wenigstens in seinem hinteren Theile, das Thal soschmal, dass in seiner Sohle nur der Bach zu fliessen Raumhat, während der Weg an dem Abhang selbst entlang führt.Da dieser nun sehr steil ist, so mussten die Häuser alle mitder einen Wand direct an das Erdreich angelehnt werden.Dass diese Wand daher sehr feucht sein muss, kann sichJedermann leicht denken. Allein man muss selbst dort ge-wesen sein, selbst gesehen und gefühlt haben, um sich eineVorstellung von dem Grade dieser Nässe machen zu können.Ich habe Häuser gefunden, in denen das Wasser in grossenTropfen die Wand hinablief, sich am Boden sammelte, unddort, wo natürlich die Dielen schon längst abgefault waren,allmählich in den Erdboden einsickerte. Regnet es nun gar,so haben die Leute oft eine förmliche Ueberschwemmungdurchzumachen, so dass es in der That unbegreiflich bleibt,wie die Leute in solchen Höhlen es noch länger' aushaltenkönnen. Unvernünftiger, manchmal allerdings des Mangelsan Raum halber auch gezwungener Weise, wird nun dasBett an jene Gebirgswand gestellt, entweder, weil es anderskaum möglich ist, zwei bis drei Fuss davon entfernt, odersogar ganz nahe daran, so dass das Bettzeug förmlich trieftvon Feuchtigkeit.

Wohnungen die besonders Bemerkenswerthes enthielten,habe ich nicht viel angetroflfen; das Elend ist hier allgemeinso gross, dass es von Einzelnen kaum weit übertroffenwerden könnte. Als allgemeines Charakteristikum vonCharbes sei nur noch angeführt, dass hier überall der grösste