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Schmutz, und — namentlich in den Kammern — die tollsteUnordnung herrscht: Die Bewohner dieser Ortschaft sinddiejenigen, die am wenigsten von allen Weilerthalern etwasauf sich halten.
Das merkwürdigste von Wohnung, was mir vorgekommen,war eine Baulichkeit auf der Gemeine in Grube, errichtetund bewohnt von einem höchst originellen Kauz, den mankennen lernen muss, um seine Wohnung verstehen zu können.
Er stammt aus der Bretagne . Die siebziger Jahrehaben ihn, wer weiss durch welchen Zufall, ins Weilerthalgeschleudert. Da zog er denn mit Weib und Kind alsKesselflicker umher, nächtigte in Scheuern und bei mitleidigenLeuten, half dort etwas basteln und da etwas flicken, kurzwar eine Art Thalfaktotum. Bei der Austheilung von Ge-meindegrund zum Hausbau erhielt er in Grube hoch oben inder Nähe des Waldes auch ein Stückchen „Gemein“. Dafängt er nun an zu bauen; er will es recht stattlich machensein Hüttchen, und errichtet steinerne Mauern. Aber nurzur Hälfte bekommt er sie fertig, da geht ihm das Geld aus,vielleicht auch wird ihm der Gedanke leid, ewig im steinernenHaus festgebannt zu sein, und er beginnt sein Vagabunden-leben aufs neue. Aber auch dessen wird er endlich über-drüssig, und er kehrt zu seinen vier Mauern zurück. Undwas thut er nun ? Innerhalb dieser Mauern, in einem Ab-stand von je IV 2 Meter führt er eine Holzbude, im Innernmit rother Erde beschmiert, auf. Die Mauern rings herumbleiben stehen, sie sollen Wind und Kälte abhalten, derZwischenraum aber dient bei gutem Wetter als Werkstatt.Dort nämlich werden zerbrochene oder unansehnlich gewor-dene Zinnsachen aufgezinnt. In einem Loch in der Erdemacht er Feuer, und bläst dies mit einem alten Blasebalgauf ein daneben liegendes Blech, in welchem sich die Schmelz-objekte befinden.
Doch treten wir aus diesem modernen Vestibül in dasInnere ein. Da finden wir denn ein ungedieltes Zimmer von5 m Länge und 2,70 m Breite. Nach hinten zu dacht essich bis zu einer Höhe von 1,30 m ab, und nur in einer