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Die Regulierung der Elbschiffahrt 1819 - 1821 / von Martin Kriele
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II. ABSCHNITT

Schluss an sein Zollsystem. Es kam jedoch eine Einigungmit Anhalt nicht zu Stande, da durch eine solche Concessiondie anhaltinischen Herzoge in der Ausübung ihrer Souve-ränität sich zu sehr beeinträchtigt gefühlt haben würden.Preussen sah sich daher genötigt, auch an den anhaltinischenGrenzen die Waren zu revidiren.

Bei den preussischen Vorschlägen bezüglich des Revi-sionsrechtes durften die übrigen Staaten auch nicht über-sehen, dass gerade in Wittenberge und Mühlberg die Ein-richtungen für die Zollabfertigung und den Hafenverkehrin den letzten Jahren, parallel mit der Entwickelung derVerbrauchsabgaben und Zölle, sehr gefördert worden waren. 75 )'Vor allem hatten sie den Vorteil, dass ihre Häfen nichtversandet waren. 76 ) In Wittenberge , in dessen Hafen 50grosse sog. Magdeburger Ladungen Platz hatten, konntenlängs des Bollwerks zu gleicher Zeit die Ladungen von 5Schiffen dieser üblichen Grösse revidirt werden. 77 ) ZumHinaufwinden der Waren befanden sich daselbst 3 Krähneund 5 Wagen (4 unter Dach und 1 im Freien), um dieGüter zur Verzollung nachzuwiegen. In Mühlberg, wo eingeringerer Verkehr stattfand, befand sich nur 1 Erahn, aufeinem Revisionsschiffe. Ferner befanden sich in beidenHäfen zur Verhütung dos Schmuggels auch während derNacht mehrere Wachtschiffe und Zollböte. Schiffe mit Ge-treide oder Holz wurden nicht gezwungen in den Hafeneinzulaufen, sondern wurden auf freiem Strom revidirt. Schiffe,deren Ladung versiegelt war, wurden, wenn sie mit einemBegleitschein versehen waren, erst am Bestimmungsort revi-dirt, also in Wittenberge und Mühlberg eventuell unberührtgelassen. Allerdings liess die Dresdener Handelsinnung durchdie sächsische Gesandtschaft bei dem preussischen Ministe-rium (26. 9. 1819 und wiederholt 30. 3. 1820) eine Be-schwerde einreichen, dass bei der Zollrevision in Mühlbergsehr viel Zeit verloren ginge und die dortigen Einrichtungengegen Wind und Wetter nicht geschützt seien, sodass sogardie Waren der Gefahr des Eimvinterns ausgesetzt wären.Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass diese Gefahren sehrernster Natur waren; denn wir hören während der Tagung