PREUSSEN U. D. DKESD. ELBSCIIIFFAHRTS-COM MISSION 41
Splitterung des Landes sehr zu statten; denn Preussenkonnte und wollte nicht, die ganze anhaltinisch-preussischeGrenze mit Zollstätten versehen, da es doch wenig genützthätte und Preussen selbst die Umstellung der Grenzen sehrgrosse Kosten verursacht hätte. 89 )
Dessau wurde der Mittelpunkt dieser Handelspolitikund des Schmuggelhandels. Schon durch ihre Lage wardiese Stadt sehr befähigt, ein bedeutender Handelsplatz zuwerden. Zwischen Berlin, Magdeburg und Leipzig gelegenwar sie sehr geeignet nach diesen drei Orten ein unsauberesGeschäft zu führen und den ehrlichen Handel durch diesenAuswuchs der Konkurrenz in seinen Erfolgen sehr zu ge-fährden ; denn die Herren in Dessau konnten „billiger“liefern. Die Konkurrenz sollte nun, wenigstens äusserlicheine ehrbare Form, Legalität, annehmen dadurch, dass dieAnhaltiner von der preussischen Durchfuhrabgabc befreitwürden. Wie mag man sich in den Dessauer Kontoren ge-freut haben, als man zum ersten Mal das Wort: „Freiheitder Elbschiffahrt“ hörte ! Daher auch das offenbare Interesseder anhaltinischen Regierungen, in der Dresdener Commissiondie Beseitigung der Durchfuhrabgabe zu verlangen als einerBedrückung des Handels. So musste auch die zu erwartendeAufhebung des Magdeburgischen Umladerechtes das Empor-blühen Dessaus sehr fördern. Denn während die Wasser-fracht zwischen Hamburg und Dessau nicht um vieles höhersein kann als zwischen Hamburg und Magdeburg , so istdoch ohne Zweifel die Landfracht von Dessau z. B. nachLeipzig ganz bedeutend billiger als von Magdeburg aus.Besonders fürchtete man in Preussen, dass Anhalt zu einemausgedehnten Schmuggeldepot für Liverpooler und Lüne-burger Salz werden würde 90 ); denn damals wurde in Preussen der Preis des Salzes, welches nur in staatlichen Nieder-lagen verkauft wurde, sehr hoch gestellt. Auch aus preussischen Handels- und Gewerbekreisen, so aus der MagdeburgischenGegend, kamen Klagen über den anhaltinischen Schleich-handel, der jeden reellen Handel rechts der Elbe vernichte;die eigentliche Ursache dieses Handels führte man hier auf