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II. ABSCHNITT
kann ; ein genauer Zeitpunkt ist natürlich sehr schwer an-zugeben. Es waren also noch der Umladezwang und eineReihe Gebühren, welche mit der obligatorischen Benützungöffentlicher Institute verbunden waren, übrig. Diese Ge-bühren waren — wie bereits in Abschnitt 4 gezeigt — meistso gestellt, dass es in jedem Falle geraten war, durch Ver-mittlung eines magdeburgischen Kaufmanns die Waren zuversenden. Infolge dessen entwickelte sich zweierlei ArtHandel in Magdeburg . Einmal war es das Speditionsge-schäft, welches sich in Magdeburg festsetzte, ein anderesMal das Kommissionsgeschäft, welches wahrscheinlich insehr vielen Fällen mit der Spedition verbunden war. Magde-burg wurde so zu einem Stapelplatz im heutigen, neuzeit-lichen Sinne, welcher Begriff im Gegensatz zu dem mittel-alterlichen gar keine handelsrechtliche Definition und Be-deutung hat. Wie schon von anderer Seite gezeigt wordenist, wusste sich Magdeburg trotz aller sächsischer undböhmischer Strassenverbote eine selbständige Stellung zuerwerben, welche zwischen Niederdeutschland oder demunteren Elbe- und Wesergebiete einerseits und Schlesien und dem slavischen und gemischten Osten andererseits denVerkehr vermittelte. 148 ) Indessen jenen Glanz und jeneBedeutung, welche Magdeburg als mittelalterliche Handels-stadt gehabt hatte, erhielt es selbst dann nicht mehr, alsFriedrich II. das durch die Macht der Zeitumstände aufge-hobene Umladerecht wieder herstellte. Einen Teil jenerBedeutung hatte Leipzig bereits an sich gezogen, welchessich trotz seiner ungünstigen Stromlage mehr und mehr zudem kommerziellen Mittelpunkt des inneren Deutschlands ausbildete.
Ein allgemeiner Zug, welcher durch die Entwicklungdes Verkehrs und Handels bei allen Kulturvölkern geht,besteht nun darin, dass der Zwischenhandel immer mehrbeseitigt wird. Hiermit steht im Zusammenhang, dass derZwischenhandel an immer weniger Orte sich konzentriertund dass der Kampf um Sein oder Nichtsein der Zwischen-plätze immer heftiger und mit schärferen Waffen geführtwerden wird. Diese Beobachtung lässt sich auch an Magde -