Druckschrift 
Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

84 I. DAS LANDSCHAFTLICHE KREDITWESEN UND DER GROSSGRUNDBESITZ.

giiter in dieser Zeit mir um 2 V 2 Millionen erhöhte 1 ), so mußdie Landschaft damals Privathypotheken im Betrage von fast3 Millionen Talern abgelöst haben. Diese Zahlen geben unsein klares Bild von den Verschiebungen, die in jener Zeit imBereiche des ländlichen Bodenkreditwesens stattfanden. DasPrivatkapital, das bei einer Anlage in Staatspapieren eine Ver-zinsung von sechs oder gar sieben Prozent erzielen ko nn te,wandte sich mehr und mehr vom Grundbesitz ab 2 ) und wurdedurch den Landschaftskredit ersetzt. Dieser Vorgang entsprachdurchaus den wirtschaftlichen Interessen der Grundbesitzer.Die teuern und kündbaren Privathypotheken wurden in großemUmfange durch die billigeren und unkündbaren Landschafts-darlehen abgelöst. Die hierbei eintretende Zinserleichterungwar besonders wichtig in einer Zeit, in der den Gutsbesitzernohnehin durch Erhöhung der Steuern und Abgaben viele neueLasten aufgebürdet wurden. So hat der Kredit, den die Land-schaften dem Grundbesitz zur Verfügung stellen konnten, manchemGrundbesitzer über die damalige schwere Zeit hinweggeholfen.Hierin bestand die wirtschaftliche Bedeutung des landschaftlichenKreditsystems für den ritterschaftlichen Grundbesitz in der Zeitvon 18061820.

Während der zwanziger Jahre des XIX. Jahrhunderts standdas landschaftliche Kreditwesen völlig im Zeichen der Agrar-krisis. Hervorgerufen war diese durch einen rapiden Fall derGetreidepreise, die zeitweilig so niedrig waren, daß sie nichteinmal die laufenden Produktionskosten zu decken vermochten 3 ).Unter diesen Umständen war die Mehrzahl der Gutsbesitzer außer-stande, die Landschaftszinsen regelmäßig zu entrichten. Infolgedieser Stockung in der Zinszahlung sahen sich die Landschaftengenötigt, eine große Zahl von Rittergütern in Sequestration zunehmen. Bei der Westpreußischen Landschaft betrug die Zahl

1 ) Meitzen III. 193.

2 ) v. Bülow-Cummerow: Über die Verwaltung des StaatskanzlersFürsten Hardenberg (1821) S. 31.

3 ) Vgl. Ucke, A.: Die Agrarkrisis in Preußen während der 20 erJahre dieses Jahrhunderts. (1888.)