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Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
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ANHANG.

DAS LANDSCHAFTLICHE KREDITWESEN UND DIEENTSCHULDUNG DES LÄNDLICHEN GRUNDBESITZES.

Die Frage der Verschuldungsform des ländlichen Grund-besitzes, die in der vorliegenden Arbeit behandelt ist, steht gegen-wärtig nicht im Vordergründe des Interesses; den Mittelpunktder Agrarkreditpolitik bildet vielmehr zur Zeit die Entschuldungs-frage. Diese selbst liegt außerhalb des Rahmens unserer Ab-handlung. Wohl aber mag noch im Zusammenhänge damit erörtertwerden, ob die Landschaften mit Hilfe ihrer Amortisationsein-richtungen die Schuldentlastung des ländlichen Grundbesitzesgefördert haben.

Der Amortisationszwang, d.h. die Verpflichtung der Schuld-ner, periodisch einen kleinen Bruchteil des Darlehens zurück-zuzahlen, war ursprünglich dem landschaftlichen Kreditsystemfremd gewesen. Von einer systematischen Tilgung der Pfand-briefe war weder in BüringsPlan 1 ), noch in der Kabinets-ordre vom 29. August 1769 die Rede. Wohl aber gab Friedrichder Große die Anregung zur Errichtung landschaftlicher Amorti-sationsfonds. Hierbei war jedoch keineswegs die Einführungeines Amortisationssystems beabsichtigt; denn der Fonds solltenicht aus Leistungen der Gutsbesitzer, sondern aus Zinserspar-

B Die entgegengeselzte Behauptung findet sich außer bei älterenSchriftstellern neuerdings auch bei Wegener (a. a. 0. S. 548) und beiv. d. Goltz (Gesch. d. Dtsch. Landw., S. 439). v. Brünneck hat jedoch be-reits nachgewiesen, daß Biiring ein Amortisationsverfahren nicht in Vor-schlag gebracht hat (Beitr. z. Erl. d. D. R. III. Flge. Jahrg. VIII. S. 489).Vgl. auch den Plan Bürings (Beilage II).