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Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
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4. PARZELLIERUNGSBESTREBUNGEX DER RITTERGUTSBESITZER. 89

Man hat vielfach behauptet, daß der Ausbreitung der Ritter-güter dadurch eine Grenze gesetzt gewesen sei, daß die zurVergrößerung erforderlichen Kapitalien fehlten. 1 ) Dies trifft aberda nicht zu, wo die Gutsbesitzer auf Grund der Zukäufe vonBauernland einen erhöhten Kredit erhalten haben, aus dem sieden Kaufpreis für das hinzuerworbene Land bestreiten konnten.

So erklärt es sich auch, daß die Rittergüter in den öst-lichen Provinzen Preußens selbst während der zwanziger unddreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts in einer für dieLandwirtschaft denkbar ungünstigen Zeit durch Zukauf vonBauernland vergrößert worden sind.

4. DIE STELLUNG DER LANDSCHAFTEN ZU DENPARZELLIERUNGSBESTREBUNGEN DER RITTERGUTS-BESITZER.

Zur gleichen Zeit, als die Konzentrationsbestrebungen desAdels in Schlesien ihren Höhepunkt erreicht hatten, setzte dorteine Bewegung ein, die das Gegenteil der Konzentration be-zweckte, nämlich die Aufteilung der Rittergüter. 2 ) Die Ent-stehung dieser Dismembrationsbestrebungen wird man sich etwain folgender Weise vorstellen müssen. Die Mobilisierung desGrundbesitzes und die hohen Güterpreise stellten in jener Zeitwohl einen jeden schlesischen Gutsbesitzer vor die Frage, obes geraten sei, seinen Grundbesitz zu konservieren oder zu ver-äußern. Die Mehrzahl entschied sich für die Veräußerung. Esgab aber auch viele Gutsbesitzer, die mit ihrem Gute so engverwachsen waren, daß sie sich nicht entschließen konnten, esin andere Hände zu geben. Für sie lag es nahe, auf ein Mittelzu sinnen, wie sie von den günstigen Bodenpreisen Nutzen ziehenkönnten, ohne ihr angestammtes Gut völlig aufgeben zu müssen.

9 Lette in den Annalen der Landw., Bd. X (Bereisung der Prov.Preußen).

2 ) Die folgende Darstellung stützt sich hauptsächlich auf Akten-material der Schles. Landschaft (L. A. Breslau XII.*. Vol. 14). Vgl. fernerauch Knapp II. 137 ff. und Deßmann S. 151 ff.