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Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
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88 II. DAS LANDSCHAFTLICHE KREDITWESEN UND DIE AGRARVERFASSUNG.

auch in Pommern durch die Kreditverhältnisse eine Erweiterungdes ritterschaftlichen Grundbesitzes auf Kosten des bäuerlichenherbeigeführt. Es kamen hier infolge völligen Kreditmangelsbereits anfangs der zwanziger Jahre zahlreiche Rentenbauern zuPall, und ihre Höfe gingen im Wege des Zwangsverkaufs in dieHände der ehemaligen Gutsherren über. So wurde das ganzeDorf Muttrin im Kreise Belgard der Gutsherrschaft bei der Sub-hastation zugeschlagen, wobei diese z. B. einen Hof, dessen Wertdie General-Kommission auf 800 Taler geschätzt hatte, für 40 Talererstand 1 ). Von 18221837 wurden allein im RegierungsbezirkeKöslin mehr als 300 bäuerliche Nahrungen mit Rittergütern ver-einigt. Auch während der vierziger Jahre setzte sich der Auf-saugungsprozeß noch fort. Die Durchschnittsgröße der Rittergüterim Regierungsbezirke Stettin erhöhte sich in der Zeit von 1837bis 1851 von 612 auf 620 ha 2 ).

Wohin wir also den Blick wenden, überall finden wir diegleiche Entwicklung: Die Rittergüter, die schon durch die Land-entschädigungen bei den Regulierungen und durch das Einziehenerledigter Bauernstellen einen großen Zuwachs erhalten haben,werden jetzt durch den freihändigen Ankauf von Bauernlandnoch mehr vergrößert 3 ). Dieser Aufsaugnngsprozeß hat den ge-schilderten großen Umfang nur dadurch erreichen können, daßdem kreditfähigen ritterschaftlichen Grundbesitze ein kreditloserBauernstand gegenübergestanden hat.

Die Verdrängung der Kleinbetriebe durch die größerennahm ab, als in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts eineBesserung der bäuerlichen Kreditverhältnisse eintrat, die es denBauern ermöglichte, in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Groß-grundbesitze gleichen Schritt zu halten. Die Aufsaugung deskleineren Besitzes durch den größeren dauerte aber dort nochan, wo jener, wie z. B. in Posen, ausschließlich auf teuerenWucherkredit angewiesen war.

*) Geh. St. A. 87 B. XIX.s.Vol.III. Bericht Haeses an Sack v.21.Febr. 1824.

s ) Meyer, R. Das Sinken der Grundrente (1894) S. 91.

3 ) Vgl. Schmoller: Der Kampf des preuß. Königtums um die Erhaltungdes Bauernstandes. (Schmollers Jahrb. Bd. XII.)