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Das landschaftliche Kreditwesen Preussens : agrargeschichtlich und volkswirtschaftlich betrachtet ; ein Beitrag zur Geschichte der Bodenkreditpolitik des Preussischen Staates / von Hermann Mauer
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112 III. LANDSCHAFT!,. KREDITWESEN UND BÄUERLICHER GRUNDBESITZ.

hinzu, die den Kredit wesentlich verteuerten. Sie bestandenteils in Provisionen, die beim Abschluß oder bei Prolongationdes Darlehens gezahlt werden mußten, teils in Naturalleistungender verschiedensten Art. Diese Nebenleistungen erreichten inder Provinz Preußen fünf bis acht Prozent des Darlehens, inden entlegeneren Gegenden stiegen sie bis 20 Prozent und inLittauen mußte der Bauer sogar 40 Taler für Provision undKosten zahlen, um ein Darlehen von nur 100 Talern erhaltenzu können '). Dabei wußte der Bauer noch nicht einmal sicher,wielange ihm sein Geldgeber das Darlehen belassen würde.Da der Kapitalist sich stets das Kündigungsrecht vorbehielt, sowar der Bauer ständig von der Kündigung bedroht; oft konnteer sie nur dadurch abwenden, daß er sich einer Zinserhöhungunterwarf. In vielen Fällen aber konnte er sich nicht einmaldurch die Übernahme einer größeren Zinsenlast vor der Rück-forderung des ihm gewährten Darlehens schützen. Es kam vor,daß die Bauern selbst zu den ungünstigsten Bedingungen keinenKredit erhalten konnten * 2 ). Dieser Übelstand war in manchenLandesteilen die Regel, so besonders in den von den größerenStädten entfernt gelegenen Gegenden Ostpreußens in Littauen .

Es ist daher auch ohne weiteres verständlich, daß man nachder am 29. Dezember 1843 erfolgten Aufhebung der Verschul-dungsbeschränkung, des wesentlichsten Hindernisses der Kredit-organisation, zuallererst für Littauen ein bäuerliches Kredit-institut forderte. Bevor aber ein von dem landwirtschaftlichenVerein für Littauen dem Landesökononiiekollegium im Jahre 1845vorgelegter Plan zur Begründung einer landwirtschaftlichen Leih-bank 3 ) zur Erörterung gelangte, hatte bereits die OstpreußischeLandschaft die Initiative in dieser Angelegenheit ergriffen. Aufdem Ostpreußischen Generallandtage von 1844 hatten nämlich

) Annalen der Landw. IX. 330 ff.

s ) So konnten die Bauern in Schlesien während der 30 er Jahre,seihst zur Zeit größter Geldflüssigkeit, oft nicht einmal zu 6 °/o eine erst-stellige Hypothek auf ihren Besitz erhalten. (Vgl. Schles. Provbl Jahrg. 1836S. 336.)

3 ) Annalen der Landw. V. 58.