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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
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Einleitung.

uemlich aus Mangel an erforderlicher Aufmerksamkeitauf jenen Einfluß der Sinnlichkeit sich durch den hier-aus entsprungenen Schein verleiten laßt, bloß subjccti»ve Bestimmungsgründe des Urtheils für objective zuhalten, oder das, was nur nach Gesetzen der Sinnlich.'keit wahr ist, für wahr nach feinen eigenen Gesetzengelten zu lassen.

Nur die Schuld der Unwissenheit liegt demnachin den Schranken des Verstandes; die Schuld des Irr-thums haben wir uns selbst bcnzumesscn. Die Naturhat uns zwar viele Kenntnisse versagt, sie laßt uns überso Manches in einer unvermeidlichen Unwissenheit; aberden Irrthum verursacht sie doch nicht. Zu diesem ver-leitet uns unser eigener Hang zu urtheilen und zu ent-scheiden, auch da, wo wir wegen unsrer Begranztheitzu urtheilen und zu entscheiden nicht vermögend sind. ^

Aller Irrthum, in welchen der menschliche Ver-stand gerathen kann, ist aber nur partial, und inJedem irrigen Urtheile muß immer etwas Wahres liege».Denn ein totaler Irrthum Ware ein gänzlicher Wi-derstreit wider die Gesetze des Verstandes und der Ver-nunft. Wie konnte er, als solcher, auf irgend eineWeife aus dem Verstände kommen, und, so fernerdoch ein Urtheil ist, für ein Product des Verstandesschalten werden!

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