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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
125
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Einleitung.

auch nur Grund als ein bloßes vorläufiges Urtheil,Machen wir es zu einem bestimmenden: so wird esVorurheil.

2) Vorurtheile aus Eigenliebe oder logi-schem Egoismus, nach welchem man die Ueberein-stimmung des eigenen Urtheils mir den Urtheilen And» 'rcr für ein entbehrliches Critcrium der Wahrheit hält.--- Sie sind den Vorurtheilcn des Ansehens entgegen ,gesetzt, da sie sich in einer gewissen Vorliebs für dasäußern, was ein Product des eigenen Verstandes ist,z. B. des eigenen Lehrgebäudes.

Ob es gut und rathsam sey, Vorurtheile stehe»zu lassen oder sie wohl gar zu begünstigen?^ Es istzum Erstaunen, daß in unserm Zeitalter dergleichenFragen, besonders die wegen Begünstigung der Vorur-theile, noch können aufgegeben werden. Jemandes Vor-urtheile btHÜnstigei:, heißt eben so viel als Jemandenin guter Absicht betrügen. Vorurtheile unangetastetlassen, gienge noch an^ denn wer kann sich damit be-schäftigen, eines Jeden Vorurtheile aufzudecken undwegzuschaffen. Ob es aber nicht rathsam seyn sollte,an ihrer Ausrottung mit allen Kräften zn arbeiten? »das ist doch eine andre Frage. Alte und eingewur-zelte Vorurtheile sind freylich schwer zu bekämpfen,weil sie sich selbst verantworten und gleichsam ihre eige-nen Richter sind. Auch sucht man das Stehenlassen- ber