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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
124
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L-4 ^Einleitung.

Fall mit den Alten, wenn man bey rhncn etwas fin-det, was man, in Rücksicht auf die Zeitumstande,unter welchen sie lebten, nicht suchte. Eine an-dre Ursache liegt in dem Umstände, daß die Kennt-niß von den Alten und dem Alterthum eine Gelehr-samkeit und Vclcscnheir beweist, die sich immer Ach-tung erwirbt, so gemein und unbedeutend die Sa.chen an sich selbst seyn mögen, die man ausdem Stu-dium der Alten geschöpft hat. Eine dritte Ur-fache ist die Dankbarkeit, die wir den Alten dafürMuldig sind, daß sie uns die Bahn zu vielen Kennt-nissen gebrochen. Es scheint billig zu seyn, ihnendafür eine besondre Hochschatzung zu beweisen, de-ren Maaß wir aber oft überschreiten. Einevierte Ursache ist endlich zu suchen in einem gewis-sen Neide gegen die Zeitgenossen. Wer esmit den Neuern nicht aufnehmen kann, preiset aufUnkosten derselben die Alten hoch, damit sich dieNeuern nicht über ihn erheben kennen.

Das entgegengesetzte von diesem ist das Vorur-thcil der N c v i g k e i t. Zuweilen fiel das An-sehen des Alterthums und das Vorurtheil zu Gun-sten desselben; insbesondre im Anfange dieses Jahr-hunderts, als der berühmte Föntenelle sich aufdie Seite der Neuern schlug. Bey Erkenntnis-sen , die einer Erweiterung fähig find, ist es sehrnatürlich, daß wir in die Neuern mehr Zutrauensetzen, als in die Alten. Aber dieses Urtheil hat

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