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Immanuel Kants Logik : ein Handbuch zu Vorlesungen / [Hrsg.: Gottlob Benjamin Jäsche]
Entstehung
Seite
123
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Einleitung.

o) Das Vorurtheil des Ansehens des Zeital,ters. Hier ist das Vorurtheil des Alter,thnms eines der bedeutendsten. Wir habenzwar allerdings Grund vom Alterthum günstig zu ur-theilen; aber das ist nur ein Grund zu einer ge.mäßigten Achtung, deren Gränzen wir nur zu oftdadurch überschreiten, daß wir die Alten zu Schatz,meistern der Erkenntnisse und Wissenschaften machen,den relativen Werth ihrer Schriften zu einemabsoluten erheben und ihrer Leitung uns blind«liugs anvertrauen. > Die Alten so übermäßigschätzen, heißt: den Verstand in seine Kinderjahrezurückführen und den Gebrauch des sclbsteigcnenTalentes vernachlässigen. Auch würden wiruns sehr irren, wenn wir glaubten, daß Alle ausdem Alterthum so classisch geschrieben hatten, wiedie, deren Schriften bis auf uns gekommen sind.Da ncmlich die Zeit alles sichtet und nur das sicherhält, was einen innern Werth hat: so dürfenwir nicht ohne Grund annehmen, daß wir nur diebesten Schriften der Alten besitzen.

Es giebt mehrere Ursachen, durch die dasVor-urtheil des Alterthums erzeugt und unterhalteirwird.

Wenn etwas die Erwartung nach einer allgemei«nen Regel übertrifft: so verwundert man sichAnfangs darüber und diese Verwunderung geht so-dann oft in Bewunderung über. Dieses ist der

Fall