Ausgabe 
(3.1.1822) 3
 
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Odeſſa, den 16. Dez.

Wir haben Nachrichten aus Konſtantlnopel bis zum 9. dieß. Ganz unerwar-tet haben die tuͤrkiſchen Miniſter, nach Annahme der bereits erwaͤhnten Denk-ſchrif des Lords Strangford, welcher zugleich ſeitdem wieder mehrere Konfe-ferenze mit dem Reis⸗Effendi hatte, ihre Sprache geaͤndert, und Geſin-nungen geaͤußert, die mehr verſoͤhnlicher Art ſind, als die in den letzten Tagen des

Novembers ausgeſprochenen. Was demnach hier von einer in Pera angeblich er-folgte Erklaͤrung der Pforte an alle fremden Miniſter, das Ultimatum unſers Hofesnicht annehmen zu wollen, mehrere Tage verlautete, iſt hiernach zu berichtigen.

Neuyork, den 23. Nov.

Die Caraccaszeitung vom 25. Okt. zeigt an, daß ſich Cumana dem Patrioten-

General Bermudez ergeben hat. Zufolge eines Briefes aus Chili vom 18. Jul.hatte Lord Cochrane eine Art Zollhaus an Bord ſeiner Fregatte errichtet, und er-ho von allen nach der Kuͤſte beſtimmten Schiffen 18 Prozent von der Ladung, dochgab er ihnen dieſe Abgabe von dem Theil der Waaren zuruͤck, die ſie nicht verkaufthatten. Perpignan, den 15. Dez.Zu Barcellona beſchaͤfftigt man ſich nicht mehr mit dem gelben Fieber. DieGemuͤther gehoͤren ganz der Politik, und ſind noch immer in demſelben Zuſtandvon Gaͤhrung. Der Herr Feldmarſchall Munariz iſt zum Zweytenmal berufen,um interimiſtiſch die Stelle des oberſten Xefe politico von Catalonten zu uͤberneh-men. Der Herr Feldmarſchall del Valle, dem er nachfolgt, hat ſeine Dimiſſiongegeben, und wird im Augenblick nach Madrid abgereist ſeyn. Man aͤußert denWunſch, daß die hohen Funktionen eines General⸗Kapitaͤns der Provinz dem Ge-nera Riego anvertraut wuͤrden. Der Gouverneur von Barcellona iſt noch immerin der Zitadelle. Was man voraus ſah, iſt eingetroffen. Man kann annehmen,daß der Kordon dadurch ſo gut wie aufgegeben iſt. Die Regimenter Aragonien undAlmanza wurden davon abberufen, um ſich in die Zitadelle zu begeben. Ein Theilder Milizen vom Kordon iſt daher in die Stadt zuruͤckgekehrt.Bayonne, den 14. Dez.

Der Truppenkordon an den Weſtpyrenaͤen iſt ſeit dem Eintreffen mehrererRegimenter aus dem Innern nun vollſtaͤndig. In allen benachbarten Departemen-ten werden die mobillen Nationalgarden organiſirt; auch erwartet man von Pariseinen Generallieutenant und mehrere Stabsoffiziere. Die Beſatzung von St. Jeanwurde verſtaͤrkt. Das ganze rechte Ufer der Bidaſſoa iſt mit Truppen bedeckt, dieihre Feldartillerie mit ſich fuͤhren.

Paris, den 26. Dez.Durch eine heutige Verordnung des Koͤnigs wird der Herzog von Doudeau-

ville, Pair von Frankreich, zum Generaldirektor der Poſtverwaltung ernannt.In der vorgeſtrigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten wurde das von derKammer der Pairs bereits angenommenen Geſetz uͤber die Geſundheitspolizey derzweyten Kammer vorgelegt, der Geſetzantrag zu einer proviſoriſchen Steuerbewil-ligung mit 281 Stimmen gegen 13 genehmigt, und Herr de la Bourdonnayemit 149 Stimmen zum Vicepraͤſidenten erwaͤhlt.*Marſeille, den 14. Dez.

So eben erhalten die hieſigen griechiſchen Haͤuſer die zuverlaͤßige Nachricht,daß das im Okt. von hier abgegangene Schiff, auf dem ſich 40 bis 50 deutſche Offi-ziere befanden, gluͤcklich in Morea gelandet hat. Die Fremdlinge wurden von denEinwohnern mit Liebe und Zutrauen aufgenommen, und ihnen alle Beduͤrfniſſe,obwohl ſie dieſelben bezahlen wollten, unentgeldlich uͤberreicht. Dagegen aber be-fleißigen ſich auch dieſe wackern Maͤnner, dem deutſchen Namen Ehre zu machen,und beweiſen durch ihr muſterhaftes Betragen, daß ſie des Wohlwoͤllens der Hel-lenen wuͤrdig ſind. Hier befinden ſich etwa 60 Griechenfreunde, die in der