Ausgabe 
(9.1.1822) 8
 
Einzelbild herunterladen

wohner aus ihren Wohnungen, und das Hilfsgeschrey des unglücklichen Schiffsvol-kes drang furchtbar zu ihren Ohren. Alle Ncttungsanstalten wurden schleunigst vor-gekehrt; der Aomiralitäts--Chef, Graf Des-Geneys und der GeneralkommandantSanseverino, erschienen selbst, leiteten und ermunterten die Hilfeleistenden. Alleindie Anzahl der nothleidenden Schiffe war zu groß, als daß man allen hatte zu HilfeeUen können, besonders da sich ein großer Theil des Schiffvolkes am Lande befand,um das Christfest zu feycrn. Auch die Sanitatswachen waren in voller Thätigkeit.Endlich brach der Tag an, und zog den Vorhang weg vor dem schrecklichen Schau-spiele. Der ganze Havcn war voll Trümmer verunglückter kleiner Fahrzeuge. DasMeer war noch immer in Aufruhr, und seine Wallen brachen sich mit solcher Wüthan den Felsen und Dämmen, daß es über 20 und zo Palmen hohe Mauern hinlief,und die Durchgänge überschwemmte, und sogar in einige Magazine eindrang. Inden Kirchen wurden öffentliche Gebethe angestellt, und unser Erzbischof trug in Pro-zession die Urne mit der Asche des heiligen Johann Baptist an den alten Damm ,und gab damit den Segen über das empörte Meer; den ganzen Chrisitag verwandteman dazu, die Schiffe ankerfest zu machen, und sich auf die Nacht in Bereitschaftzu setzen, denn das Meer tobte noch, und der Wind ward von Zeit zu Zeit heftiger.Längs den Mauern wurden Thecrtonen angezündet. Man kann dermal den Scha-den an zu Grund gegangenen Schiffen und über Bord geworfenen Waaren eben sowenig als die Zahl der Todten bestimmen. Diese Letztere gab man gestern auf 15an; darunter befindet sich auch ein spanischer Schissskapitän. Unter den zu Grundgegangenen Schiffen find 2 spanische und 1 genuesisches. Die Schiffe, welche ihreWaaren über Bord werfen mußten, belaufen sich auf 50. Während dieses Stur-mes fiel der Barometer ungewöhnlich. Auch die Nachrichten vom übrigen Lit-.torale sind traurig. Gestern erfuhr mm,, daß ein spanisches, ein englisches und einNeapolitanisches Schiff bey Arenzo verunglückt seyen.

Venedig, den 27. Dez.Vorgestern und gestern fand hier eine außerordentliche starke Fluth Statt, wel-che die gewöhnliche Höhe um 3 Fuß überstieg. Am höchsten war sie am Weihnachts-tage, am 26. um l i Zentimeter niedriger. Der St. Markusplatz glich einem gro-ßen, von Säuleugängen umgebenen Bassin. Man konnte bequem mit Gondelnauf selbem fahren, welches deV Erzherzog Vizekönig und Höchsidessen durchlauch-tigste Gemahlin, der Seltenheit wegen, auch thaten. Diese Erscheinung, außerder Zeit des Vollmondes ist etwas Außerordentliches, und die ältesten Leute erin-nern sich selbe nur einmal, ebenfalls am Weihnachtstage 1794 bemerkt zu haben, wojedoch das Wasser zu keiner solchen Höhe stieg.

Paris , den 1. Jan.Vorgestern vor der Messe überreichte der Marquis von Marialva, bisheriger au-ßerordentlicher portugiesischer Botschafter und bevollmächtigter Minister in Paris ,dem Könige in einer Pnvataudienz sei« Abberufungsschreiben. In Folge desMinisterwechsels fanden auch, wie zu erwarten war, Aenderungen in dem Perso-nal der diplomatischen Missionen Statt. Herr Deserre hat den Gesandcschaftspo-sien zu Neapel, der Herzog von Laval den zu London und Herr von Nayneval, bis-her Unterstaatssekretär im Departement der auswärtigen Angelegenheiten, den zuBerlin erhalten. In Folge des zu Saumur entdeckten Komplotts find auch zuTours mehrere Unteroffiziere, von den Jägern zu Pferd de l'Arriege, verhaftet wor-den. Am 18. Dez. war zu Samur eine Feuersbrunst ausgebrochen, derenUrsache man nicht kannte, und bey welcher durch den Einsturz einer Mauer neunmit Löschen beschäffrigte Personen verunglückten. Unsere ttltraliberalen schickensich an, dieselbe Rolle zu spielen, wie 1820 und 21, als das Wahlgesetz verändertwurde, empörte Haufen Paris durchrannten, und die Verschwörung, welche diePairskammer gerichtet hat, p, Stande kam«. Sie sind sehr vergnügt über d«o