am Anfang des Jahrs i822, betrachtet aus den 4 Gesichtspunkten: Finanzen; äu-ßere Angelegenheiten; innere Angelegenheiten; Kolonien, Handel und Schissfahrt."Der Kurier versichert, daß diese Schrift mir vollkommener Kenntniß aller der Ge-genstände, die sie abhandelt, abgefaßt sey, und liefert Auszüge aus derselben. ESscheint demnach , daß man sie wenigstens für halboffiziell halten musi. Ueber dietürkisch -griechischen Angelegenheiten äußert sich dieSchrift im Wesentlichen ausfol-gende Art: „Englands Vermirtlung zwischen Nußland, der Türkey nnd den Grie-chen geht von 2 Hauptgrundsätzen aus: 1) Die Beendigung eines Zustandes, derin seinen letzten Folgen den allgemeinen Frieden von Europa bedrohen kann; 2) eineBürgschaft von Seiten der Türken gegen die fanatische Wuch und die fernern Aus-schweifungen eines mißleiteten Pöbels. — Betrachtet man das besondere InteresseGriechenlands allein, so kann kein Zweifel seyn, was sein und seiner Freunde Wün-sche seyn müssen. Richtet man dagegen den Blick auf das allgemeine Wohl vonganz Europa , auf die Erhaltung von Grundsätzen, aufdencn die Sicherheit allerReiche beruht, so zeigt sich die Unthunlichkeit einer thätigen Einmischung der gro-ßen Mächte in den obwaltenden Streit. Es ist eines von den härtesten Geboten deckSchicksals, daß unsere Pflichten zuweilen im geraden Widerspruch mit unsern Ge-fühlen stehen." Petersburg, den 29. Dez.
Die Großfürsten Nikolaus und Michael sind von ihren Inspektionsreisen wie-der hier angekommen. —. Zu der großen Messe in Nischnoynovgorvd waren fürden Belang von 138 Millionen Rubel Waaren hingeführt. Der Absatz betrug72 is2 Mill. — Zwischen Odessa und Konsiantinopel geht der Handel regelmäßigfort. — Wir haben immer noch keinen Winter. Der Thermometer steht auf2 Grad Neaumur Wärme. Die Luft ist trübe und neblicht. — Am 9. dieß istdie Düna bey Riga , nachdem sie nur etwa 48 Stunden mit Eis bedeckt gewesen,durch den eingetretenen starken Regen wieder aufgegangen, so daß die Ueberfahrtauf Böten wieder völlig frey wurde.
Nachrichten aus Konstantinopel vom 24. Dez. zufolge, welche die Post vonOdessa vom 28. Dez. brachte, soll die Pforte in alle Bedingungen des russischenHofes gewilligt haben, und auch die verlangte Garantie (man weiß nicht, worinndiese besteht) leisten wollen. Diese Nachricht, bemerkt die heutige StaatS-zeitung, läßt sich mit den Anstalten in der Moldau und Wallachey auf keine Art ver-einigen. Personen aus den Umgebungen des Salich Pascha in Jassy halten den An-fang der Feindseligkeiten für nahe, wollen wissen, daß der Sultan selbst seine Heereanführen, und in Adrianopel erwartet werde, und versichern, daß für die Verpfle-gung der großen Masse türkischer Truppen, die am Pruth und an beyden Donau-ufern aufgestellt sind, und täglich durch neue Zuflüsse verstärkt werden, viel zu we-nig gesorgt sey, als daß sie auch nur für wenige Wochen in ihren dermaligen Stel-lungen beharren könnten. Schiffer, aus Galata und Odessa angelangt, bestäti-gen dieß nicht minder; und da der Geist dieser Truppen, von Erbitterung undKampflust beseelt, eine Ordre zum Rückmarsch wohl sehr übel aufnehmen würde,so läßt sich aus diesen Nachrichten gar kein Resultat ziehen. In Rußland glaubtman fest an den Krieg. Am Dniester werden Magazine vorbereitet, und in Odessa arbeiten alle Drechsler an Patronenspiegeln.
Vom Mayn, den 20. Jan.
Man bemerkt seit einiger Zeit in den deutschen Kabineten eine mehr als ge-wöhnliche Thätigkeit) die sich auf Verhältnisse und Maaßregeln beziehen, welcheim Voraus zu ordnen nöthig sind, da an Ausbruch des Türkenkriegs nicht mehr zuzweifeln ist. — Nirgend in Deutschland sind Spuren innerer Gährungen zu be-merken, selbst alle Nationalleidenschaften sind besänftigt. Man erinnert sich nurnoch mit Achtung an die westlichen Nachbarn, denen man neidlos alles Glück wünscht.