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sehene Röhre.“ Ähnlich lautet die bekannte Antwort, die Goethe gegebenhat, auf die Frage:
„Was ist der Mensch?
Ein hohler Darm
Mit Furcht und Hoffnung angefüllt —
Und nun die naturwissenschaftlichen Definitionen! Da ist zum Beispiel einevon W. Scheidt (Kulturkunde, 1931): „Der Mensch ist das mit Reaktions-fähigkeit ausgestattete Lebewesen.“ Oder die neueste, nach Bridgmannals „Verfahrensdefinition“ bezeichnete, die sich Al. Carrel: Der Mensch,das unbekannte Wesen (1936) zu eigen macht: „Ein Organismus, der be-stimmte biochemische, physiologische und psychologische Äußerungen her-vorbringt.“ Der Mensch ist „eine zeitlich begrenzte Verwirklichungsform(Konkretisation) organischen Lebens“. E. F r h. v. E i c k s t e d t, Grundlagender Rassenpsychologie (1936). Aber die landesübliche Definition der „Anthro-pologen“, Zoologen und anderer Naturwissenschaftler lautet doch ungefähr:Der Mensch gehört einer Untergruppe der Wirbel- und Säugetiere, der Homi-niden an und ist gekennzeichnet durch aufrechten Gang, Umgestaltung derWirbelsäule, Greiffinger (Daumen), Äquilibrierung des Schädels, starkeGehirnentwicklung usw.
Können wir uns, das ist nun die Frage, eine dieser Definitionen selbst zueigen machen? Ich glaube nicht. Denn entweder sind sie falsch (wie dienaturwissenschaftlichen) oder sie sind einseitig (wie alle übrigen). Es scheintmir am zweckmäßigsten, daß wir zunächst auf eine vollständige Definitionverzichten und vielmehr versuchen, die Eigenart des Menschen im einzelnenfestzustellen, um erst am Schlüsse die gefundenen Einzelzüge zu einemBegriffe zusammenzufassen.
Wir müssen nur, um zu diesem Ziele zu gelangen, den richtigen Weg ein-schlagen. Dieser führt nun, wie schon Kant warnend hervorgehoben hat,weder über die Metaphysik, noch durch das „Naturalienkabinet “, wo wirdie Eigenart des Menschen „durch Vergleichung seines Skeletts mit demvon anderen Tiergattungen“ feststellen zu können wähnen. Nicht über dieMetaphysik, weil wir zu einem wissenschaftlichen Begriff vom Menschenkommen wollen, nicht durch das „Naturalienkabinet “, weil wir von vorn-herein überzeugt sind, daß der Mensch ein Wesen eigener Art ist, dessenBesonderheit wir nicht durch Vergleich mit den Tieren feststellen können.Ebensowenig wie ich das Wesen der Pflanze mit Hilfe der Mineralogie oderdas Wesen des Tieres mit Hilfe der Botanik feststellen kann, so auch nichtdas des Menschen mit Hilfe der Zoologie. Weil er eben einem besonderen