Reiche, dem Menschenreiche angehört, das sich scharf scheidet von denReichen der anorganischen, pflanzlichen und tierischen Welt. Daß dem soist, kann erst am Schlüsse unserer Betrachtungen eingesehen werden. Einst-weilen stelle ich es als These auf. Und frage nun, auf welchem Wege dannwir zur Einsicht in die Eigenart des Menschen gelangen.
Man könnte daran denken, aus dem Namen Mensch seine Eigenart, sozu-sagen auf etymologischem Wege abzuleiten. Da stößt man aber auf dieunerwartete Schwierigkeit, daß das Wort für Mensch bei den verschiedenenVölkern je eine verschiedene Bedeutung gehabt hat (und hat).
Die Griechen legten einen künstlerischen Sinn hinein: avöpu>TOS wirdabgeleitet entweder von avcu dbpstv vom aufwärtsgerichteten Blick desMenschen oder von dem Stamm AN0, dvÖo;, ävbsu), av&Yjpo;, was sichauf das blühende Antlitz, den strahlenden Blick bezog (siehe die Lexika).
Bei Juden und Römern hatte das Wort für Mensch eine leiblich :materielle Bedeutung: Adam kommt vom hebräischen Wort, das Erde be-deutet; homo von humus. (Es gibt übrigens im Hebräischen noch ein anderesWort für Mensch: Enosh, das von anash, gefährlich krank sein, kommt unddas Fieber oder den Schmerz ausdrückt 2 ).
Inder und Deutsche faßten den Begriff geistig: das indischemanushya entspricht dem ahd. manisco und beide Wörter bezeichnen „Denmit Geist begabten Denkenden“. Dazu bemerkt J. G rimm 3 ): „Das, was wirsind, wodurch wir uns von allen Tieren unterscheiden, führt im Sanscrit denbedeutsamen ehrwürdigen Namen manudscha, welcher auch vorzugsweisein unserer deutschen Sprache bis auf heute sich erhalten hat, goth. man-niska, ahd. mannisco, nhd. Mensch: dies Wort darf so mit gutem Grund aufeinen mythischen Ahnen Manna, Mannus, den schon T a c i t u s bezeugt, aufeinen indischen König Manas zurückgeleitet werden, dessen Wurzel, man,das heißt denken (!) ist und wozu unmittelbar auch manas, psvoc, Mensch
So erfreulich die Ausbeute dieser wortforschenden Untersuchung ist: so-fern nämlich daraus hervorgeht, daß unsern Vorvätern das Wort Menschdiesen erhabenen, geistigen Sinn gehabt hat, so können wir uns doch nichtmit ihr begnügen, da wir nach einem allgemein gültigen Begriff MenschAusschau halten, das heißt: nach dem, was der Mensch als solcher, unab-hängig von allen Zeiten, Völkern und Rassen der Erde ist. Um zu diesemzu gelangen, müssen wir also einen anderen Weg einschlagen, und das wirdder sein, den ebenfalls schon Kant gewiesen hat: über die Taten desMenschen. Genauer: über sein Verhalten, sein Gehaben, sein Benehmen,