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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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xragsgemäß!); da gibt esSignale, die den Zweck der Warnung haben,da gibt esdas bewundernswürdige Pflichtgefühl der Ameisen, und wasdergleichen Phantastereien mehr sind. Man macht sich lächerlich mitsolchen antropomorphen Deutungen. Oder wenn man etwa den Hamsterals einen klugen Hausvater betrachtet, der seinen Speicher füllt,damiter im Winter Nahrung habe und der den doppelten Vorrat aufspeichert,wenn ein strenger Winter bevorsteht, oder wenn man den Pfau das Radschlagen läßt,damit er seiner Geliebten gefalle oder den Affen schreienläßt,um seinen Gegner zu erschrecken, oder wenn man bestimmte Tierewie Kaninchen und Katzenauf Schönheit, Hübschheit und Sauberkeitbedacht sein läßt und ihr Sichputzen und Lecken aufGefallsucht undKoketterie zurückführt. Das sind Kindereien.

Gleichwohl haben geduldige Forscher sich die Mühe nicht verdrießenlassen, den Unsinn solcher Annahmen von Zweckhandlungen bei Tierenexperimentell nachzuweisen.

Hier ein paar Beispiele:

Von den Ameisen erfahren wir:Die Beobachtungen an allen unter-suchten Ameisen zeigten stets, daß bei Alarm keinerlei beschreibendeMitteilungen erfolgen, es werden nur Erregungszustände übertragen, unterderen Einfluß die Alarmierten auf neue Reize besonders gut ansprechen. 7 )Der Hahn kräht nicht,um die Hühner vor Gefahr zu warnen. Was denZustand und mit ihm den artverständlichen Zustandsausdruck hervorruft,ist ein erregender Eindruck und keineswegs die Rücksicht aufver-stehende (!) Artgenossen. Der Hahn warnt vor einer aufziehenden Gefahrauch dann, wenn gar keine Hühner in der Umgebung sind, die gewarntwerden könnten (!) 8 ).

Ein Experiment, das auf dasselbe Ergebnis hinauslief, machte ProfessorBastian Schmid: er nahm das Gackern der vom Nest kommendenHenne phonographisch auf. Als die Platte abgespielt wurde, gackerte derHahn genau so als wäre die Henne anwesend. Der Experimentator schließtdaraus mit Recht,daß lediglich der akustische Eindruck ihn (wohlgemerkt:den Hahn) zum Gackern veranlaßte. Derselbe Forscher widerlegt auch mitguten Gründen die irrtümlichen Bestrebungen, das Reinlichkeitsbedürfnisder Tiere in der im Texte angedeuteten Art zu anthropomorphisieren. 9 )

Man kann diesen Tatbestand auch so ausdrücken, daß man sagt: dietierische Intelligenz erschöpft sicii völlig in den triebhaften Akten desInstinktes, die vom Standpunkt der Lebensnotwendigkeit des Tieres ausgesehen, im höchsten Maßeintelligent sind.

Und nun demgegenüber der Mensch! Er steckt sich, stellten wirschon fest, nach WillkürZiele und wählt, nach Willkür, die Wege, die ihn