zu diesem Ziele führen sollen. Das bedeutet nun: Der Mensch kann sichüberlegen, ob er überhaupt mittun will — im ganzen und im einzelnen Falle:ob er den Spielsaal betreten, ob er spielen, wie hoch, auf welche Nummer,bei welcher Gelegenheit er setzen will: Alles entscheidet er nach seinemBelieben. Paßt es ihm nicht, kann er den Spielsaal verlassen. Das alles er-scheint dem unbefangenen Beschauer als sehr klar und einleuchtend.
Und doch ist es nur allzuoft verkannt worden und vor allem: Die Philo-sophen haben ein so dickes Netz über den einfachen Tatbestand gesponnen,daß er dem Auge des schlichten Beobachters unsichtbar geworden ist. Manweiß, welche Berge von „Literatur“ aufgetürmt sind, in der das Problemder „Willensfreiheit“ erörtert worden ist. 10 ) Versuchen wir, hinter den Be-griffsschleier zu blicken! Wie mir scheint, ist an der Verwirrung und Ver-wicklung des Problems vor allem der Umstand schuld, daß man die beidenAspekte des Problems: Den metaphysischen und den empirisch-wissenschaft-lichen nicht scharf unterschieden hat.
Welches ist der empirische, also aus der Erfahrung entnehmbare Tat-bestand? Offenbar doch dieser: Daß ich eine „Willkürbewegung“ vollziehe,das heißt eben, etwas tue oder unterlasse „damit“ ... „um zu“ ... „auf daß“.
Diese Willkürbewegung gehört mir höchstpersönlich zu. Sie hängt aus-schließlich von mir (und dem, was ich meinen „Willen“ nenne) ab; sie istdurch keine Kausalkette mit der Außenwelt verbunden, sondern in mir selbstentstanden („soviel ich weiß“, und nur dieses Wissen begründet meine Er-fahrung). Das wußte auch Kant, denn er hat folgende schlichte Bemerkunggemacht: 11 ) „Wenn ich jetzt... völlig frei und ohne den notwendig bestim-menden Einfluß der Naturursachen von meinem Stuhl aufstehe, so fängt indieser Begebenheit samt deren natürlichen Folgen in’s Unendliche eine neueReihe schlechthin an, obgleich der Zeit nach diese Begebenheit nur die Fort-setzung einer vorhergehenden Reihe ist. Denn diese Entschließung und Tatliegt gar nicht in der Abfolge bloßer Einwirkung und ist nicht eine bloßeFortsetzung derselben, sondern die bestimmenden Naturursachen hören ober-halb derselben in Ansehung dieses Ereignisses ganz auf, die zwar auf jenefolgt, aber daraus nicht erfolgt und daher zwar nicht der Zeit nach, aberdoch in Ansehung der Kausalität ein schlechthin erster Anfang einer Reihevon Erscheinungen genannt werden muß.“
Was den menschlichen Willensakt erzeugt, ist das „Motiv“, das Schopen-hauer als erster dem „Trieb“ entgegensetzte: so vollzieht sich „zweck-haftes Handeln“ im Gegensatz zu „triebhaftem Tun“. „Als wenn ohne Motiveetwas geschehen könnte und als wenn diese Motive außerhalb des handeln-den Wesens liegen könnten und nicht vielmehr im Innersten desselben.“(G o e t h e.) Der Gatte, der in „blinder“ Eifersucht, „besinnungslos“