nicht, erscheinen, soweit es an Trieben fehlt, die ihnen entsprechen. „Für dieKuh ist so gut wie gar nicht vorhanden der Karpfen, für den Karpfen nichtder Balken im Wasser (vorausgesetzt, daß er sich nicht an ihm stößt!), fürden Storch nicht der Hase, für den Hasen nicht die Biene, für die Biene nichtdie Ameise, für die Ameise nicht der Quarz; und für sie alle sind überhauptnicht da die Bilder der Wolken, Firnen und Sterne.“ (L. Klages.) Für denMenschen aber ist das alles da, ob es ihn etwas „angeht“ oder nicht.
Mehr: auch den Gegenstand, der für das Tier „da“ ist, bemerkt es nurin der für seine Trieberfüllung bedeutsamen Eigenschaft: der Grashalm istfür die Kuh etwas zum Fressen, für die Blattlaus etwas zum Klettern; dieEiche für den Specht etwas, wo er Nahrung findet, für die Eule etwas, wosie nisten kann usw. Nur für den Menschen existieren alle diese Dinge alsselbständige „Gegenstände“, unabhängig von ihrer Beziehung auf dieLebenssphäre des Individuums, das ein Beschauer oder auch ein „Be-nutzer“ ist 13 ).
Der Mensch allein weiß von einer Welt, weiß von einem Geschehen außer-halb seiner selbst: ein Gedanke, den einmal in poetischer Form Bl. Pascalalso ausgedrückt: „quand l’univers l’ecraserait, l’homme serait encoreplus noble que ce qui le tue, parcequ’il sait qu’il meurt et l’avantageque Funivers a sur lui. L’univers n’en sait rien.“ Pascal zieht darausdie Folgerung: „toute notre dignite consiste donc en la pensee. C’est de läqu’il faut nous relever et non de l’espace et de la duree, que nous ne saurionsremplir. Travaillons donc ä bien penser: voilä le principe de la morale .. . 14 ).
Zum guten Denken gehört aber noch mehr als das Bewußtwerden der Welt.Diese andern Seiten müssen wir jetzt noch betrachten.
Der Fähigkeit, die Welt zu vergegenständlichen, entspricht
2. die Fähigkeit der Vergegenständlichung des eigenen Selbst. Wie derMensch zum Zuschauer der Welt wird, so auch zum Zuschauer gegenüberseinem eigenen Innenleben. Sein eigener physiologisch-psychologischerLebensprozeß wird vom Tier nur gelebt, vom Menschen erlebt oder — wieman mit einer häßlichen Wortbildung es ausgedrückt hat — er-leibt. DerMensch hat einen Standpunkt ausfindig gemacht, von dem aus er sich selbecbetrachten kann. Er ist „hinter sich gekommen“. Diese bemerkenswerteFähigkeit des Menschen, die nur er in der ganzen Schöpfung besitzt, nennenwir sein Selbstbewußtsein. Dieses ist es, das ihn instand setzt, sozusagensich selbst gegenüberzustellen, „den einen seiner Zustände zum Objekt desanderen zu machen und so seine Ideen als solche zu betrachten“. DerMensch kann sich „besinnen“: er — und nur er in der ganzen Schöpfung —hat ein „Wissen vom Wissen“ oder Besinnung auf die Besinnung, wie schonAristoteles wußte: er kann sich selbst denken, er kann „reflektieren“.