Worte ausdrücken läßt. Ob es so etwas Einheitliches, Ganzes gibt, das derMensch „hat“, wodurch er zum Menschen wird.
Die reichen Sprachen geistig hochstehender Völker weisen meist mehrereAusdrücke auf, um das dem Menschen Eigentümliche zu bezeichnen. Wirhaben im Griechischen vooc, 1 . 070 ?, Tcvstüp.« und auch im Deutschen gibt esverschiedene Bezeichnungen für menschliche Wesenheit. So spricht Mephi-stopheles zum Herrn — vom Menschen:
„Ein wenig besser würd’ er leben,
„Hättst Du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben.„Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
„Nur tierischer als jedes Tier zu sein...“
Neben den Worten Vernunft, Intelligenz, Besonnenheit (Herder) u. a. wirddann auch das Wort Geist verwendet, um das Gedachte auszudrücken.
Dieses Wort schlage ich dem Leser dieses Traktates vor, zu wählen, umdas Menschliche am Menschen zu bezeichnen.
Ich weiß: das Wort ist sehr kompromittiert, vor allem durch die speku-lative Philosophie des 19. Jahrhunderts, namentlich die Hegel sehe, unddie Worte Schopenhauers bestehen gewiß zu Recht, mit denen ei'die Hegelianer apostrophierte: „Hierher gehört auch die plumpe Unver-schämtheit, mit der die Hegelianer in allen ihren Schriften, ohne Umständeund Einführung, ein Langes und Breites über den sogenannten „Geist“reden, sich darauf verlassend, daß man durch ihren Gallimathias viel zu sehrverblüfft sei, als daß, wie es recht wäre, Einer dem Herrn Professor zu Leibeginge mit der Frage: ,Geist? wer ist denn der Bursche und woher kenntIhr ihn? Ist er nicht etwa bloß eine beliebige und bequeme Hypostase, dieIhr nicht definiert, geschweige deduziert oder beweist? Glaubt Ihr einPublikum von alten Weibern vor Euch zu haben?’ Das wäre die geeigneteSprache gegen einen solchen Philosophasten.“
Ganz in Verruf geraten ist der Begriff des „Geistes“ dann auch im letztenMenschenalter namentlich durch die Wirksamkeit zweier „geistvoller„Lebens“-Philosophen: Henri Bergson und Ludwig Klage s. Beidevereinerleien den Geist im wesentlichen mit dem „Verstand“, der Rationali-tät, der „intelligence “ 15 ). Bei beiden Autoren wird der „Geist“ verantwort-lich gemacht für die Misere, in die die Menschheit namentlich in unserer Zeitund seit der Entwicklung der modernen Naturwissenschaften geraten ist.Diese Bedeutung, die hier dem Worte Geist beigelegt wird, ist aber keines-wegs notwendig mit ihm verbunden. Man kann auch unbeschadet etwasanderes darunter verstehen, denn das Wort ist sehr vieldeutig.
In Grimms Wörterbuch handeln nicht weniger als 118 Spalten vomWorte Geist und werden d r e i ß i g (!) verschiedene Bedeutungen aufgezählt.
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