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Diese Vieldeutigkeit des Wortes könnte wiederum als ein Grund angeführtwerden, es nicht zu gebrauchen. Aber doch auch als Grund, es geradezu verwenden. Denn wenn das Wort schon in so vielen Bedeutungen ver-wandt wird: warum nicht auch in der hier gemeinten? Selbst wenn niemandvorher auf den Gedanken gekommen wäre, das, was den Menschen macht,„Geist“ zu nennen. Nur weil das Wort so schmuck, so strahlend und vorallem so kurz ist. Aber es kommt dazu und unterstützt uns in unserm Be-sinnen, daß das Wort von vielen vor mir, und nicht den Schlechtesten, inmeinem Sinne verwandt worden ist. Deshalb mag es dabei sein Bewendenhaben, daß wir in diesem Buche das Wort Geist in der von mir angegebenenBedeutung gebrauchen.
II
Die 30 Bedeutungen des Wortes Geist, die Grimms Wörterbuch auf-zählt, stehen in verschiedenem Verhältnis zu der von uns gewählten Bedeu-tung: teilweise sind es Bedeutungen ganz anderer Art („disparater“ Natur),wie Schutzgeist, Quälgeist, Weingeist u. a. und kommen hier nicht in Be-tracht; teils derselben Art, nur daß sie eine besondere Seite dieser Art, alsoeine Unterart, bezeichnen. So wenn wir sprechen von geistreichen odergeistlosen Menschen, vom Geistigen im Menschen, vom Geist einer Spracheoder einer Firma oder eines Kunstwerks oder einer Klasse, von Geist undPolitik (als Gegensätzen) usw.
Wir werden die verschiedenen Unterarten des Begriffes Geist unter-scheiden und ordnen müssen.
Die übliche Unterscheidung ist die zwischen subjektivem und objektivemGeist. Wir müssen nämlich die Feststellung machen, daß das, was denMenschen zum Menschen macht, einerseits an diesem selber haftet und sichin seinem Gehaben, seinem Denken, Fühlen und Wollen äußert, gleichsamein Bestandteil seines persönlichen Wesens bildet: das nennen wir den sub-jektiven Geist. Daß es aber andererseits sich in menschlichen Schöpfungendarstellen kann, die von den Menschen sich loslösen und ihm als selbständigeGebilde — Geistgebilde —• gegenübertreten: als Sprache, Staat, Bauwerk,Werkzeug, Regiment, Sittenordnung; mit einem Worte: als Kultur. DiesesMenschenwerk insgesamt nennen wir den objektiven Geist.
Die Unterscheidung von subjektivem und objektivem Geist geht wohl auf Hegel zurück, der vom objektiven Geiste, worunter er Recht, Moralität, Sittlichkeit ver-stand, noch den absoluten Geist unterschied, der sich in Kunst, Religion, Philo-sophie darstellen sollte, eine Trennung, die seinem System ausschließlich zu-gehört. Hans Freyer, in seinem 1923 erschienenen Buche „Theorie desobjektiven Geistes“ unterscheidet ziemlich willkürlich fünf „Kategorien“ der Ob-jektivation: Gebilde, Geräte, Zeichen, Sozialformen, Bildung.