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zu sein. In der ganzen Natur aber ist keine Grenze so scharf gezogen, wiezwischen Organischem und Unorganischem, das heißt (man beachte diemeisterhafte Formulierung! W. S.): dem, wo die Form das Wesentliche undBleibende, die Materie das Akzidentelle und Wechselnde ist und dem, wodies sich gerade umgekehrt verhält. Die Grenze schwankt hier nicht wievielleicht zwischen Tier und Pflanze, fest und flüssig, Gas und Dampf: alsosie aufheben wollen, heißt absichtlich Verwirrung in unsere Begriffebringen 23 ).“
Wie alle „Lebewesen“ steht der Mensch in der Reihe der Geschlechter: erwird von andern lebendigen Wesen gezeugt und stirbt. Er ähnelt denSäugetieren: wie diese bringt er lebendige Junge zur Welt, die sich dadurchauszeichnen, daß sie noch längere Zeit nach der Geburt der Pflege bedürfen,länger noch als irgendeine Kreatur auf Erden, wenn wir die Zeit der Pflegemit der Lebensdauer in Vergleich ziehen: vgl. das 27. Kapitel.
Dieses „Lebewesen“ Mensch ist nun dadurch gekennzeichnet, wie wirwissen, daß es „Geist“ besitzt. Dieses Geisthaben gehört nun aber auch zuseinem Wesen, das damit neben der leiblichen Bestimmung auch eine geistigeerfährt. Das heißt: der Mensch ist auch „Geistwesen“. Dieses GeistwesenMensch pflegen wir als „Person“ zu bezeichnen, wobei wir unter Person das„Akt-Zentrum, in dem der Geist innerhalb der endlichen Sinnesbereicheerscheint“, kürzer: das geistige Zentrum im Menschen verstehen wollen, dasder Seele als dem vitalen Zentrum entspricht. Als Person bildet der Menschalso ebenso eine geistige Einheit wie er als Seele eine lebendige Einheitdarstellt.
Auch der Person-Begriff ist — wie alle andern — recht alt, jedenfalls vielälter als manche Philosophen und Psychologen der Gegenwart annehmen,und wir können wieder einmal nichts anderes tun, als ihn uns von neuemzu eigen zu machen: auch darin liegt ein Verdienst. Ich führe nur ein paarZeugnisse aus der Vergangenheit an:
Da haben wir die boethianische Definition: „Persona est naturae rationalisindividua substantia“, die im Mittelalter allgemein angenommen war. (Siekönnte als Übersetzung der unsrigen gelten!)
Auch Kant wußte von dem Geheimnis der Person: „Daß der Mensch inseiner Vorstellung das Ich haben kann, erhebt ihn unendlich über alle andernauf Erden lebende Wesen. Dadurch ist er eine Person und vermöge derEinheit des Bewußtseins, bei allen Veränderungen, die ihm zustoßen mögen,ein und dieselbe Person, das ist ein von Sachen, dergleichen die vernunft-losen Tiere sind,... durch Rang und Würde ganz unterschiedenes Wesen.“Er definiert dann die Person als „ein mit praktischem Vernunftvermögen undBewußtsein der Freiheit seiner Willkür ausgestattetes Wesen“.