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Schiller: Person ist „ein Wesen..welches selbst Ursache, undzwar absolut letzte Ursache seiner Zustände sein, welches sich nach Grün-den, die es aus sich selbst nimmt, verändern kann.“
Aus dem Ende der spiritualistischen Epoche besitzen wir die schönen Aus-führungen des jüngeren Fichte, die jedermann in seiner „Anthropologie“selbst nachlesen mag.
Dann als die Nacht des naturalistischen Zeitalters herabsank, ging derBegriff der Person verloren. Der Hund ist ja keine Person, warum solltees der Mensch sein?
II
Wir sehen: zwei Principien haben Besitz vom Menschen ergriffen undbeherrschen sein Dasein: Geist und Seele (Leben).
Diese beiden Prinzipien tragen einen grundsätzlich voneinander verschie-denen Sinnescharakter: es ist unmöglich, sie voneinander abzuleiten.
Namentlich den Geist aus dem Leben, wie alle „Lebensphilosophen“ esversuchen. So scheint es mir ein Grundfehler der „Bergson“schen Lehrezu sein, daß er den Geist, seine „intelligence“, als ein Erzeugnis des Lebensselber verstanden wissen will, statt einzusehen, daß Geist und Leben zweigleichgeordnete Seinweisen sind, die man nicht auseinander ableiten kann.Für Bergson ist der Intellekt selbst ein Aspekt des Lebens: „eile est lavie regardant en dehors, s’exteriorisant par rapport ä eile möme“.
Der Geist gehört einem wesensanderen Seinsbereiche an und tritt ausdiesem in den ihm fremden Seinsbereich des Lebens ein.
Geist entspricht also wohl dem Begriffe, den die spätgriechische Philo-sophie mit dem Worte Noos (Nuhs) bezeichnete. So spricht Aristoteles vomNoüs als von einem neuen, göttlichen, unsterblichen Prinzip, das zu Leibund Seele, die eins sind, hinzutritt und deshalb y tuptaros (getrennt) ist 24 ).
Das geistige Prinzip ist aber dem Leben nicht nur fremd, es ist ihm ent-gegengesetzt: es vermag, wie wir sahen, den Menschen sich und der Naturgegenüber zu stellen, es vermag den Menschen zu widernatürlichen, seinDasein als „Lebewesen“ gefährdenden Handlungen anzustiften, es vermagihn schließlich zur Vernichtung des eigenen Lebens zu verführen.
Auch die raumzeitliche Existenzweise der beiden Prinzipien ist verschie-den: während das Leben ein zwar unräumliches, wohl aber zeitliches Seinist, ist der Geist nicht nur überräumlich, sondern auch überzeitlich.
Und diese zwei feindlichen Brüder hausen nicht nur beide nebeneinanderim Menschen: sie wohnen in Gemeinschaft m i t einander, sind aufeinanderangewiesen. Wir sahen schon: keinen Atemzug tut der Mensch ohne Geist,aber ebenso kann der Geist nicht die mindeste Wirkung ausüben ohne das