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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Charles Bonaparte , sein Großvater Joseph B., sein Onkel Fesch, sein BruderLucien, seine Schwester Caroline.Cette susceptibitite des nerfs et de lestomacest chez hui herdditaire et se manifeste des la premiere jeunesse. H. T a i n e,Les Origines de la France contemporaine; Vol. IV. pag. 58: Magenkrämpfe 1806in Warschau !

Über den Gesundheitszustand seiner näheren Verwandschaft berichtet Friede-rich M. in einem Briefe an Ulrike vom 8. September 1764 wie folgt:MeinerAnsbacher Schwester geht es sehr schlecht; meine Braunschweiger Schwesterund ich haben fast keine Zähne mehr; meine Schwedter Schwester ist wasser-süchtig; die arme Amalie kann sich trotz ihrer Aachener Kur nicht erholen; meinBruder Heinrich ist Hypochonder; mein Bruder Ferdinand ist nur hin undwieder gesund.

Bleibt denn nun gar nichts, was sich mit Sicherheit über die Beziehungenzwischen Leib-Seele und Geist aussagen lassen könnte? Ich wüßte nichtsals dieses: daß die Eigenart der Konstitution dort und insoweit von Bedeu-tung für das Innewohnen eines bestimmten Geistes ist, wo und insoweitdieser zu seiner Betätigung bestimmter leib-seelischer Fertigkeiten bedarf,in organischen Bildungen sozusagen verankert ist.

Der Gesang bedarf einer bestimmt gearteten Kehle und bestimmt ge-arteter Atmungsorgane, um sich entfalten zu können, die Musikalität istebenso an bestimmte Gehörbildungen und leibliche Rhythmik gebunden; derTanz, das Fechten, das Reiten alle diese und ähnliche Geistesakte setzeneinen beschwingten, bewegungsfähigen, biegsamen Leib voraus. Vielleichtsind auch bestimmte intellektuelle und künstlerische Fähigkeiten, wie etwaAbstraktionskraft oder Anschauungsvermögen an bestimmte organischeEigenarten gebunden. (Vgl. Kap. 27!)

Auf der andern Seite gibt es Erscheinungsformen des Geistes, die wiruns an irgendwelche leiblichen Organe gebunden, überhaupt nicht vorstellenkönnen; wie etwa Glaube, Liebe, Hoffnung oder Anständigkeit oder Treueoder Patriotismus.

Das ist alles.

Hat also R ü c k e r t Recht mit seiner Brahmanenweisheit:

Was ist des Geistes Leib? Der Körper ist es nicht;

Das ist des Geistes Leib: die Form, die er sich baut,

In der mit Geistesblick ein Geist den andern schaut?

Hat Schiller Recht mit seinem stolzen Wort:

Es ist der Geist, der sich den Körper baut?

eine Hypothese, die dann Hegel, der jüngere Fichte u. a.philo-sophisch zu begründen unternahmen 26 ).

Haben die Anhänger einer prästabilierten Harmonie zwischen Leib-Seeleund Geist Recht, wie der alte Steffens oder wie neuerdings H. P1 e ß n e rund seine Mitarbeiter? 27 )