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Vom Menschen : Versuch einer geistwissenschaftlichen Anthropologie / Werner Sombart
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Spielerei. Übrigens: gerade die Autoren dieser psychologisierenden Ge-schichtsdarstellungen sollten froh sein, daß wir über die Zusammenhängezwischen LeibSeele und Geist nichts wissen, da sie ja von dieserUnkenntnis ihr eigenes Dasein als Schriftsteller fristen.

Bleiben die Dichtwerke, in denen die Erklärung der Persönlichkeitenaus ihrer leib-seelischen Veranlagung zum Vorwurf der Darstellung selbst ge-macht wird. Sei es in der naturalistisch-biologischen Form, wie sie durchEmile Zolas Romane vornehmlich begründet wurde 28 ), sei es in der Ge-stalt des psychologistischen Romans oder Dramas, wie sie um die Jahr-hundertwende die große Mode wurden. Auch diese Literatur, von der wir,wie wir nicht leugnen wollen, manchen Zeitvertreib gehabt haben, werdenwir doch wohl, wenigstens dann, wenn sie die Alleinherrschaft für sich be-ansprucht, als Krankheitssymptom einer dem Naturalismus und Psycholo-gismus verfallenen Zeit ansehen müssen, die vergessen hatte, daß auch fürdie Dichtung das allein würdige Problem das Geistige:das, was nie undnirgends sich begeben bleibt.

III

Nicht so völlig im Dunkeln, wie das soeben besprochene Problem derVerbundenheit von Geist und Leben, liegt das andere Problem, dem wirnoch eine kurze Betrachtung widmen wollen: welchen Anteil diebeiden Prinzipien an unseren Bewegungen, an unsernHandlungen haben.

Gehen wir von der Lage aus, in der das Tier, das keinen Geist hat, sichbefindet, so müssen wir annehmen, daß es von einer Naturkraftgetriebenwird, die es ohne sein Wissen und Wollen zu dem Ziele hin bewegt. Genaugenommen hat das Tier gar keinZiel, sondern nur einen Ort, wohin esdurch vis a tergo,Rückenkraft, geschoben wird. Seine ganze Bewegungist nichts alsTrieb.

Was beim Menschen dazukommt, sind die Ziel- und Zwecksetzung und diebewußte Wahl von Weg oder Mitteln: er wird zum Ziele oder Zwecke hin-gezogen: durch vis a fronte:ganz zog es ihn (nicht nur halb, das gehtschon nicht mit rechten Dingen zu): dieses alles besorgt der Geist.

Es ist nun eigentlich selbstverständlich, daß die Hinbewegung selbstzum Ziele nicht durch den Geist, sondern nur durch den natürlichen Orga-^nismus erfolgen kann (der übrigens an der Aufstellung des Ziels und derWahl der Reiseroute schon beträchtlichen Anteil hat: wenn ich mich ent-schließe, nach Italien statt nach Norwegen zu reisen, so sind gewiß tausendNeigungen, Gefühle, Idiosynkrasien größtenteils unbewußter Natur an demZustandekommen des Entschlusses beteiligt; aber wie dem auch sei: nunhabe ich mich zu einem bestimmten Reiseplan entschlossen: kraft meines