gleichartig auf verschiedene Einzelindividuen eingewirkt und sie oft ersteinmal zufällig zusammengeführt hat, bis das Zusammenleben zu einemBestandteil der natürlichen Umwelt des Tieres wurde. So vereinigt dasLicht im Meere bestimmte Lebewesen, so bildet die Nacht viele Tierezu Gruppen. So eint der Geruch andere Tiere, z. B. die Ameisen, die —wie man durch Experimente nachgewiesen hat — durch denselben Nest-geruch zusammengehalten werden.
Im Geiste verbunden sein bedeutet
2. verbunden sein mit etwas, seinen „Mitmenschen“. So falsch es ist,die gesamte menschliche Gesellschaft aus einem Ich-Du-Wir-Verhältnis ab-zuleiten (eine große Anzahl von Verbänden besteht ohne dieses Ver-hältnis), so richtig ist es, die Verbundenheit m i t den andern als eine derFormen geistigen Verbundenseins hervorzuheben, das nur dem Menscheneignet. Denn diese Form des Verbundenseins setzt das Selbstbewußtseinund den Objektivierungssinn bei den Verbundenen voraus: nurPersonenkönnen in diesem Sinne verbunden sein.
Auch hier gibt es wieder die verschiedenartigsten Erscheinungsformender Verbundenheit, deren Darstellung ich mir für später Vorbehalte. Wie-derum soll hier nur die Eigenart dieser Verbundenheit grundsätzlich erfaßtwerden. Und das geschieht, indem wir feststellen, daß in jeder Beziehungzwischen Menschen ein geistiges Moment enthalten ist, selbst in den aufSympathie- und Antipathiegefühlen aufgebauten, wie Liebe, Haß, Freund-schaft, Feindschaft, Eifersucht u. a. Sobald diese „Gefühle“ Anlaß zuirgendeiner Verbindung mit einem andern werden, sind sie immer schon ausder seelischen Sphäre herausgehoben und in die geistige versetzt, wo sieein selbständiges Dasein haben. Das geschieht damit, daß wir sie denkenund benennen: die Worte Liebe und Haß drücken einen geistigen Sach-verhalt aus, sind selber „Geist“. „Ich hasse Dich“ heißt: ich vereinige michmit Dir im Geist des Hasses (was auch ungesprochen bleiben kann, wennes nur gedacht ist).
Ich kann auch einem Dritten sagen: „ich hasse mich mit dem X“, „ichliebe mich mit der Y“: eine solche Mitteilung können Hund und Katze wedereinander noch einem Dritten machen.
Diese Vergeistung jeder menschlichen Beziehung gilt für alle Fälle. Soetwa bei dem „Freund - Feindverhältnis“ (Carl Schmitt ), auf dem unserpolitisches Dasein beruht: es unterscheidet sich von dem Freund-Feind-verhältnis im Tierreich (wo es so häufig ist) immer dadurch, daß es aufbewußter, vom Geiste geschaffener Gegensätzlichkeit beruht, während Tier-feindschaften instinktiv-naturhaft begründet sind.